Admonter Riesenbibel (Gutkeled-Bibel)

Admonter Riesenbibel (Gutkeled-Bibel)

In: Die Ritter. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung 1990 auf der Burg Güssing vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Redigiert von Harald Prickler. Burgenländische Forschungen. Sonderband. 8. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv - Landesbibliothek 1990. 338. 4° Objekt-Nr.: VI 64, S. 251.

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Leihgeber: Österreichische Nationalbibliothek (Wien), Handschriften- und Inkunabelsammlung, Codex Ser. nova 2701, fol. 124r
Admonter Riesenbibel (Gutkeled-Bibel)

© Österreichische Nationalbibliothek, Wien


Salzburg, um 1140.
Zwei Pergament-Codices (Codex Ser. nova 2701, 2702), 56 x 41 cm, mit zahlreichen Figural-Miniaturen und Initialen. Ausgestellt: Codex 2701, Blatt 124r. und 94v.
Photo: Detail Blatt 124r.

Szenen aus dem Leben Sauls. Oben: Reiterkampf zwischen Israeliten und Philistern. Von beiden Seiten sprengen je neun vollgerüstete Ritter mit eingelegten Lanzen aufeinander los; die linken haben rot-goldene, die rechten weiß-goldene Schilde, Spitzhelme mit Nasenbügeln, Schuppen- und Kettenpanzer. Auf dem Boden liegen vier Gefallene. Unten: Tod Sauls und Jonathans. Links eine Gruppe mit drei Männern, vorne stürzt der König in sein Schwert (silbernes, mit roten Ringeln bedecktes Panzerhemd, blaue Krone mit drei Rundzacken, weißer Schild mit goldenem Stern). Hinter ihm steht ein hünenhafter Philister (weißer Helm, blauer Schuppenpanzer) und stößt ihm das breite Schwert in den Hals (Kombination der Schilderung nach Samuel 1,31 und 11,1,10), links ein Krieger zu Pferd, vor ihm das ledige Pferd eines abgesessenen Philisters. Rechts am Boden ein Gewappneter, dem der Helm vom Haupt gefallen; seine Beine fehlen; hinter ihm ein anderer Krieger im selben Panzer, der sterbend zusammensinkt, und ein dritter, der vornüber stürzt (die drei Söhne Sauls). Rechts stehen noch zwei Krieger, die drohend die Schwerter nach links erheben. Folio 94 v.: Die Taten Gideons. Oben: Berufung Gideons. Links oben die Halbfigur des Herrn; vor ihm steht in demütiger Haltung Gideon mit rotem Spitzhelm am Kopf und dem Schwert in der Hand. Rechts daneben: Gideon legt das Fell auf die Tenne (nach Richter VI, 36-38). Gideon in andersfärbiger Kleidung, mit blauem Helm auf dem Kopf, legt das weiße Lammfell auf den Boden. Unten: Gideons Sieg über die Medianiter (Richter VII, 16). Links steht der Held; mit der Rechten setzt er das Horn an den Mund, mit der Linken zückt er das in der Scheide steckende Schwert. Rechts neben ihm steht ein Israelit, der in jeder Hand eine Fackel einer nach rechts hin sprengenden Schar von sieben geharnischten Reitern entgegenhält.
Die Handschrift, entstanden in Salzburg als Hauptwerk des dortigen Malstils, zeigt die biblischen Gestalten im "Kleide" der Zeit als ritterliche Figuren. Das Ausstellungsstück wurde wegen seiner interessanten Geschichte und sachlichen Bedeutung gewählt: Die Bibel wurde von Graf Martin aus der auch im westungarisch-burgenländischen Bereich (um Eisenstadt-St. Margarethen) reich begüterten Familie Gutkeled seinem um 1138 gestifteten Hauskloster St. Peter in Csatár als Geschenk übergeben, weshalb sie von der ungarischen Historiographie auch als Gutkeled-Bibel bezeichnet wird. Im 13. Jahrhundert gelangte die Bibel durch Verpfändung um 70 Mark in den Besitz des Juden Farkas von Eisenburg (Vasvár), wahrscheinlich noch von diesem (spätestens aber im 15. Jahrhundert) an das Stift Admont in der Steiermark, als dessen wertvollster handschriftlicher Schatz sie 1937 durch Verkauf in den Besitz der Nationalbibliothek überging. In der Frühgeschichte des Werkes spiegelt sich die Rolle des ritterlichen Adels als Stifter und Guttäter von Familienklöstern; bei Bedarf verfügte die Familie jedoch frei über das Vermögen der Stiftung, entschädigte aber das Kloster nach dem Verlust der Bibel durch anderweitige Güterschenkungen.


Harald Prickler


Literatur: Paul BUBERL, Die illuminierten Handschriften in Steiermark I: Die Stiftungsbibliotheken zu Admont und Vorau (Leipzig 1911), S. 17ff.
Hans WAGNER, Urkundenbuch des Burgenlandes und der angrenzenden Gebiete der Komitate Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg, Bd. I: Die Urkunden von 808 bis 1270 (= Publikationen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 7, Graz/Köln 1955), S. 282f.