Wappenbrief der Grafen von St. Georgen-Bösing

Wappenbrief der Grafen von St. Georgen-Bösing

In: Die Ritter. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung 1990 auf der Burg Güssing vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Redigiert von Harald Prickler. Burgenländische Forschungen. Sonderband. 8. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv - Landesbibliothek 1990. 338. 4° Objekt-Nr.: VI 43, S. 247.

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Leihgeber: Ungarisches Staatsarchiv (Budapest, Ungarn), DL 24832
Wappenbrief der Grafen von St. Georgen-Bösing

© Österreichische Nationalbibliothek, Wien


1459 VI 19, Wien.
Pergament, 54,8 x 71,5 cm. Wappenbild 11,5 x 9 cm. Abhängendes Siegel.

Kaiser Friedrich III. verleiht seinen Räten, den Grafen Georg, Johann und Sigismund von St. Georgen- Bösing für die treuen Dienste, die sie ihm bei der Erlangung der ungarischen Königskrone geleistet haben, folgende Rechte: Sie dürfen ihr angestammtes Familienwappen auf dem Gebiete des Heiligen Römischen Reiches führen und mit rotem Wachs siegeln. Das Wappen wird mit dem zwischen Helm und Helmzier eingefügten kaiserlichen Diadem (Reichskrone) gebessert: in Blau ein sechsstrahliger, schräg links von Rot und Gold geteilter Stern. Helm: Nach vorne gewandter goldener Spangenhelm, darüber die Reichskrone, vorne ein Passionskreuz, in der Krone eine Bischofsmitra, hinten ein perlenverziertes Band schwebend. Helmzier: Die Wappenfigur (Stern) in die Krone platziert, darüber goldene Pfauenfedern. Decken: Blau-Gold. Die vom uralten Geschlecht Hunt-Pazman - deren Stammväter König Stefan den Heiligen "nach deutscher Art" mit dem Schwert umgürteten - abstammende und deren Wappen führende Familie spielte im westungarischen Raum als Inhaber zahlreicher Burgen und Grundherrschaften (u.a. Ungarisch-Altenburg, Kittsee, St. Georgen und Bösing) eine überaus wichtige Rolle. Die Ausgezeichneten gehörten zu den prominentesten Mitgliedern der "deutschen Partei" innerhalb des ungarischen Adels, die 1459 den Kaiser in Güssing zum König von Ungarn wählte; Sigismund führte auch das kaiserliche Heer im Kampfe gegen den ungarischen "Nationalkönig" Matthias Corvinus an. Vorliegende Privilegierung mit Wappenbesserung und Recht zu Siegelung mit rotem Wachs ist ein Beispiel für eine Dankesabstattung, welche den Herrscher materiell nicht viel kostete, dem Empfänger jedoch erhöhtes Ansehen und Prestige einbrachte.


Harald Prickler


Literatur: Nyulásziné STRAUB Éva, Öt évszázad címerei a Magyar Országos Levéltár címereslevelein (Budapest 1987), S. 121f., S. 282.