Die drei christlichen Stände

Die drei christlichen Stände

In: Die Ritter. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung 1990 auf der Burg Güssing vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Redigiert von Harald Prickler. Burgenländische Forschungen. Sonderband. 8. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv - Landesbibliothek 1990. 338. 4° Objekt-Nr.: VI 2, S. 243.

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Die drei christlichen Stände

© Burgenländisches Landesarchiv und Burgenländisches Landesmuseum, Eisenstadt


Holzschnitt eines unbekannten Meisters, 1526. 11,5 x 11 cm.
Aus: Prognosticatio Johannis Lichtenbergeri, quam olim scripsit super magna illa Saturi ac Jovis connunctione. Peter Quentel, Köln 1526. Vergrößertes Photo

Der Holzschnitt ist eines der vielen Beispiele spätmittelalterlich-frühneuzeitlicher bildlicher Darstellungen der Funktionsteilung der christlichen Gesellschaft in drei Stände (Geistliche, Ritter, Bauern), die seit etwa 1000 als Vorstellung vorherrscht. Unter der im Himmel thronenden Gottheit sehen wir zur Rechten den Papst mit Tiara und Doppelkreuz, hinter dem sich Bischöfe, Äbte und andere Geistliche scharen, unter dem Spruchmotto: "Tu supplex ora" ("Du bete untertänig"), zur Linken den Kaiser mit dem Reichszepter, hinter sich gekrönte und ungekrönte Schwertträger (Ritter), unter dem Spruchmotto: "Tu protege" ("Du beschütze"), in der Mitte zwei Bauern, die einen Weinstock bzw. den Boden mit einem Keil bearbeiten, unter dem Spruchmotto "Tuque labora" ("Du aber arbeite"). Die Ungleichgewichtigkeit der drei Stände wird an der Platzierung des Bauernstandes unterhalb der beiden anderen Stände und an der kleineren Darstellung der Bauernfiguren ersichtlich.


Harald Prickler


Literatur: Rainer WOHLFEIL, Trudl WOHLFEIL, Verbildlichungen ständischer Gesellschaft. In: Ständische Gesellschaft und soziale Mobilität. Hrsg. Winfried Schulze unter Mitarbeit von Helmut Gabel. (= Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 12, München 1988), S. 269 ff.