Bankbehang mit Wildleuten und Wappen

Bankbehang mit Wildleuten und Wappen

In: Die Ritter. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung 1990 auf der Burg Güssing vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Redigiert von Harald Prickler. Burgenländische Forschungen. Sonderband. 8. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv - Landesbibliothek 1990. 338. 4° Objekt-Nr.: V 11, S. 231.

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Leihgeber: Augustinermuseum Freiburg im Breisgau (Deutschland), Adelhausenstiftung, 11.541
Bankbehang mit Wildleuten und Wappen

© Augustinermuseum, Freiburg im Breisgau


Mittelrhein, um 1480.
Wolle, Leinen gewirkt. Höhe: 41 cm, Breite: 713 cm.

Auf dunkelblauem Grund sind in ein reiches Ornament aus Sträuchern, Blüten und Früchten Adelswappen mit Helmzier eingebunden. Sie konnten als Wappen der mittelrheinischen Geschlechter der von Wolfskehl und der Waldeck von Iben identifiziert werden. Die "wilden Leute", zwei Männer und zwei Frauen, sind in ein rotes oder braunes Fellkleid gehüllt und tragen Blütenkränze im Haar. Das Symbol der wilden Leute ist uns vor allem aus der Literatur des Mittelalters geläufig. Sie stehen stellvertretend für das tierhaft Unzivilisierte, sind also dem ritterlich höfischen Ideal entgegengesetzt. Durch Gleichstellung der wilden Leute mit den in der Wildnis büßenden Heiligen wurde diese Allegorie aber aufgewertet und kann als Sinnbild der Harmonie mit der Natur gelten. Aus Enttäuschung über das menschliche Leben in seinen sozialen Ordnungen ziehen die wilden Leute den Umgang mit den wilden Tieren in naturverbundener Einsamkeit vor.


Detlef Zinke, Karl Vocelka