Manessesche Liederhandschrift: Meister Heinrich Frauenlob

Manessesche Liederhandschrift: Meister Heinrich Frauenlob

In: Die Ritter. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung 1990 auf der Burg Güssing vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Redigiert von Harald Prickler. Burgenländische Forschungen. Sonderband. 8. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv - Landesbibliothek 1990. 338. 4° Objekt-Nr.: III 17, S. 223.

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Leihgeber: Universitätsbibliothek Heidelberg (Deutschland), Codex Pal. Germ. 848, fol. 399r
Manessesche Liederhandschrift: Meister Heinrich Frauenlob

© Burgenländisches Landesarchiv und Burgenländisches Landesmuseum, Eisenstadt


Abbildung aus der Manesseschen Liederhandschrift, Blatt 399r

Die alten Ritter gelten nur noch als Klischee. Gerade deshalb ist es reizvoll, einen Blick zu wagen und nachzuschauen, wie das Mittelalter selber diese Menschen sah - naturgemäß, wo sie am schönsten abgebildet, in der Manesseschen oder Großen Heidelberger Liederhandschrift. Angeregt wurde die Sammlung um 1300. Johannes Hadlaub, ein Zürcher Bürger und Sänger, bezeugt, daß niemand im Königreiche mehr Liederbücher besäße als die Familie Manesse. Und in den folgenden dreißig Jahren ließ diese zusammentragen, was an Texten seit dem älteren Minnesang erreichbar. Nun wäre zu beachten, daß die frühesten Gesänge schon damals eineinhalb Jahrhunderte überliefert waren. Es ist also klar, daß auch der Codex Manesse kein objektives Bild der Minnelyrik, von den Anfängen bis ins beginnende 14. Jahrhundert, widerspiegelt. Als das Unterfangen schließlich beendet wurde, umfaßte das Werk 428 Blätter mit nahezu 5.400 Strophen drauf.
Berühmt geworden sind vor allem die Porträts der Sänger, die Miniaturen, den Textkorpora vorangestellt und ursprünglich durch dünne Seidentücher geschützt, die oberhalb der Bilder angenäht waren. Sie erzählen vom Leben der Minnesänger, die zum größten Teil auch Ritter waren. Sie erzählen von Turnier, Minne und Kreuzzug, von alltäglichen Diensten und Geschäften, vom Umgang des Ritters mit der Dame, von Festen, Tänzen, von der Jagd und selbstverständlich auch vom Krieg.