Ungarischer Bogenschütze und abendländischer Krieger

Ungarischer Bogenschütze und abendländischer Krieger

In: Die Ritter. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung 1990 auf der Burg Güssing vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Redigiert von Harald Prickler. Burgenländische Forschungen. Sonderband. 8. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv - Landesbibliothek 1990. 338. 4° Objekt-Nr.: KH 9, S. 197.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Burgenländisches Landesmuseum (Eisenstadt, Burgenland)
Ungarischer Bogenschütze und abendländischer Krieger

© Burgenländisches Landesmuseum, Eisenstadt


Italienisch, 12. oder 13. Jahrhundert.
Wandmalerei in Aquileia, Krypta der Kathedrale.

In der Krypta der Kathedrale von Aquileia findet sich diese sehr aussagekräftige Wandmalerei. Vor einen Wandbehang sind zwei zu Pferde kämpfende Krieger dargestellt. Der Verfolgte - er wird als ungarischer Reiter bezeichnet - wendet sich auf galoppierendem Pferd nach hinten und legt seinen Bogen mit dem Pfeil auf den Verfolger an. Deutlich ist die mangelnde Panzerung und der Bogen als wichtigstes Kampfgerät der Reitervölker hervorgehoben. Es ist ein gängiges Bild der Literatur, daß der orientalische oder aus dem Osten stammende Reiterkrieger nur mit den weitreichenden Waffen kämpft und den Zweikampf "Mann gegen Mann" eher scheut. Diese Kriegstaktik wird von den westlich-abendländischen, z.B. auch von den österreichischen und steirischen Rittern, als unfair und nicht ritterlichen Konventionen gemäß disqualifiziert. Der verfolgende abendländische Ritter führt die Stoßlanze mit daran befestigtem Wimpel, er trägt einen Spangenhelm und ist in ein langes Kettenhemd gekleidet. Die Füße stehen im Steigbügel, der diese Technik des Kampfes mit der eingelegten Lanze überhaupt erst ermöglichte. Der nach unten zu spitz zulaufende Langschild legt vielleicht eine frühere Datierung nahe.


Ernst Englisch