Der österreichische Erzherzogshut

Der österreichische Erzherzogshut

In: Der heilige Leopold. Landesfürst und Staatssymbol. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung im Stift Klosterneuburg vom 30. März bis 3. November 1985. Graphische Gestaltung von Irmgard Grillmayer. Redigiert von Floridus Röhrig und Gottfried Stangler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 155. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1985. XXXI, 445. 8°. Illustr. Objekt-Nr.: 609, S. 427.

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Leihgeber: Augustinerchorherrenstift Klosterneuburg (Niederösterreich), Stiftsmuseum
Der österreichische Erzherzogshut

© Bildstelle der NÖ Landesregierung (Nechuta)


Innsbruck (?), 1616.
Gold, Email, Edelsteine und Perlen, Hermelinbesatz; Höhe 23 cm, Durchmesser 27 cm, Wappen auf dem Sockel 9,2 x 7,4 cm.

Der österreichische Erzherzogshut besteht aus einer roten Samthaube, um die ein Diadem von acht gleich hohen, goldenen, emaillierten Zacken gelegt ist, und die von zwei geraden, sich rechtwinkelig kreuzenden Bügeln überspannt wird, die nur wenig höher liegen als die Spitzen der Zacken. Das Diadem wird von einem gelappten Hermelinkranz weitgehend verdeckt, der eigentlich zum rotsamtenen Erzherzogs- oder Kurfürstenhut gehört, welcher durch den gleichsam eingesetzten Zackenkranz zum kronenartigen Erzherzogshut wird. Die Zacken sind in der Mitte des dreieckigen Feldes abwechselnd mit einem Rubin oder Smaragd in Rosettenfassung und mit einem in die Spitze eingefügten Diamanten besetzt, schließlich von einer Perle bekrönt. Perlen und Steine in Goldfiligranfassungen und in Reihen angeordnet schmücken auch die Bügel. An ihrem Schnittpunkt symbolisiert ein großer Saphir (Schliff des 14. Jahrhunderts) die Weltkugel, über der sich das Kreuz erhebt, das aus Perlen, Diamanten und Rubinen gefügt ist (Rückseite Email). Am Sockel aus Ebenholz befindet sich ein goldenes, emailliertes Wappen Maximilians III., das von der 1810 eingeschmolzenen Reliquienbüste des heiligen Leopold stammt. Es ist mit großer Sicherheit als Arbeit eines Augsburger Goldschmiedes zu bestimmen. Über den Entstehungsort des Erzherzoghutes sind nur Vermutungen zulässig.


Georg J. Kugler


Literatur: Wolfgang PAUKER, Ernst KRIS, Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7 (1933).
Anna Hedwig BENNA, Hut oder Krone? Ein Beitrag zur Ikonographie des Erzherzoghutes. In: Mitteilungen des österreichischen Staatsarchives 24 (1971).