1. Internationale Jagdausstellung: Vogelschau des Ausstellungsgeländes, 1910

1. Internationale Jagdausstellung: Vogelschau des Ausstellungsgeländes, 1910

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 18.3, S. 341.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 34.638
1. Internationale Jagdausstellung: Vogelschau des Ausstellungsgeländes, 1910

© Historisches Museum der Stadt Wien


Alois Kasimir
Druck, 13,8 x 26,7
Bezeichnet rechts unten: AKasimir Wien Mai 1910
Aufschrift unten: Erste Internationale Jagdausstellung in Wien 1910 unter dem Allerhöchsten Protektorate Sr. kaiserl. und könig. Apostolischen Majestät des Kaisers Franz Joseph I.

Diese Ansichtskarte bietet einen guten Überblick über die Anlage der Jagdausstellung. Im Hintergrund die Rotunde, in der einige Sonderausstellungen zu sehen waren. Man konnte die Rotunde durch ein Eingangstor über die "Kaiserallee" erreichen. An dieser lagen rechts die Trophäenhalle, der Pavillon für Statistik, Literatur und Buchhandel und der Kunstgewerbepavillon und auf der linken Seite der Pavillon für jagdlichen Unterricht, Alpen- und Weidewirtschaft, und der Pavillon für Ethnographie und für Kunst. Alle diese Baulichkeiten waren vom Chefarchitekten Alexander Déscey entworfen worden. Bei der Rotunde stand der Pavillon für Keramik, flankiert vom Pavillon für Jagdwaffen und der Expositur der Feuerwehr und der Rettungsgesellschaft. Hier war auch ein Musikpavillon und am äußersten Rand der Anlage ein Brieftaubenhaus. Vom Vordergrund der Panoramakarte führen zwei parallele Alleen zur Rotunde, rechts die "Ernährungsavenue" und links die "Festavenue". Letztere bildete den eigentlichen Mittelpunkt der Anlage und hier standen auch die bedeutendsten Bauten. Auf der linken Seite von der Rotunde ausgehend waren das: der englische Pavillon, ein Blumenkiosk, der Kinematograph, der niederösterreichische Gewerbeförderungs-Pavillon vom Architekten Otto Prutscher (1880-1949), eines Schülers von Josef Hoffmann, einer der modernsten Bauten der Ausstellung, der schwedische Pavillon, dann das deutsche Reichshaus, das im Stil eines Jagdhauses aus dem 18. Jahrhundert gehalten war und der norwegische Pavillon. Das Gebäude im Vordergrund ist das ungarische Jagdschloß, das mit dem gegenüberliegenden Jagdschloß Mürzsteg, dem rechts danebenliegenden Pavillon von Bosnien-Herzegowina, der im Baustil eines Hauses eines mohammedanischen Begs von der Bauabteilung der Landesregierung in Sarajewo entworfen worden war und dem anschließenden österreichischen Reichshaus inhaltlich eine Einheit bildete und zusätzlich durch die platzartige Erweiterung der Festavenue mit einer Teichanlage noch speziell hervorgehoben wurde. An diesem Teich befand sich das Restaurant der Stadt Wien, links vorne zu sehen und davor der italienische Pavillon, eine Nachbildung eines Hauses in Viterbo aus dem 15. Jahrhundert. Vor dem ungarischen Pavillon liegt der französische, der eine Nachbildung des Schlößchens "La Muette" in den Wäldern von Saint-Germain-en-Laye war, das unter König Ludwig XV. begonnen und unter Ludwig XVI. vollendet wurde. Im Vordergrund, auf der Karte nicht mehr zu sehen, ging es zum "Lunapark". Hinter dem österreichischen Reichshaus in Richtung Rotunde befand sich der Pavillon der historischen Jagd und dann der der exotischen Jagd, beide von Alexander Décsey entworfen. Von hier nach links ging es zum persischen Pavillon, der im Stil eines alten Palastes in Isfahan gebaut war und dessen zwei minarettartige Türme deutlich zu sehen sind. Dann kam, gegen die Rotunde zu, der kanadische Pavillon und als Abschluß der Fremdenverkehrspalast, ebenfalls von Décsey, von dessen Hauptportal die "Vindobona" als Beschützerin des Fremdenverkehrs die zahlreichen Gäste grüßte. In der Straße der Ernährung befand sich unter anderem der Pavillon der Wildverwertung und links im Vordergrund der Pavillon von Erzherzog Friedrich in Form eines südungarischen Bauernhauses aus Bellye, einem Besitz des Erzherzogs. Er war ebenfalls von Décsey entworfen und enthielt eine umfangreiche Trophäenschau. Daneben gab es eine Unzahl von Restaurants, Bier-, Wein- und Champagnerstuben, Würstelstände und Konditoreien. Alois Kasimir war der Vater von Luigi Kasimir.


Selma Krasa


Literatur: Die 1. Internationale Jagdausstellung in Wien 1910. Ein monumentales Gedenkbuch (Wien 1912).