Kaiser Maximilian I. als Gemsenjäger, 1889

Kaiser Maximilian I. als Gemsenjäger, 1889

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 16.2.2, S. 324.

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Leihgeber: Erzherzog Franz Ferdinand Museum Artstetten bei Melk (Niederösterreich)
Kaiser Maximilian I. als Gemsenjäger, 1889

© Schloss Artstetten, Erzherzog Franz Ferdinand-Museum


Aquarell, Deckweiß, auf Papier, 44 x 30 (innere Linie des Passepartouts)
Bezeichnet und datiert rechts unten: Anker und "L" (ligiert), 1889
Im Rahmen eingesetzte Widmung: Vom Nachkommen / der / Prueschenk. / Jagdgenossen und Freunde des / großen Kaisers / Maximilian I. / in unverbrüchlicher Waidmanns Treue / gewidmet. / D. Graf Hardegg.

Die in der Widmungsinschrift angesprochenen Brüder Heinrich und Sigmund Prueschenk aus einem oberösterreichischen Geschlecht, das auch in der Steiermark begütert war, spielten am Hof von Friedrich III. eine große Rolle. Vor allem Sigmund war ein vielbeneideter und auch angefeindeter Günstling des alternden Kaisers. Wahrscheinlich um 1445 geboren, war er Rat, Kämmerer und oberster Hofmarschall. Sein älterer Bruder Heinrich hatte die militärische Laufbahn eingeschlagen. Beide waren sehr geschäftstüchtig, erweiterten ihren Besitz beträchtlich und avancierten sehr rasch. 1480 wurden sie in den Freiherren- und Panierherrenstand erhoben, bekamen 1483 das steirische Truchsessenamt und 1486 das Erbschenkenamt im Fürstentum Österreich. Seit der Heirat von Erzherzog Maximilian (dem späteren Kaiser Maximilian I.) 1477 wurde Sigmund Prueschenk eigentlich zum einzigen Bindeglied zwischen diesem und dem Kaiser und vermittelte zwischen Vater und Sohn. Aufschluß darüber gibt der Briefwechsel, 43 Briefe, von denen drei von Prueschenk und der Rest von Maximilian I. stammen. Unter anderem intervenierte Sigmund Prueschenk beim Kaiser zugunsten Maximilians anläßlich der Übertragung der Länder von Sigismund von Tirol an diesen, 1490. Obwohl nach dem Regierungswechsel 1493 der Einfluß der Prueschenk-Brüder nicht mehr so stark war wie zu Zeiten Friedrichs III., wurden sie 1495 doch in den Reichsgrafenstand erhoben und hießen von da an Grafen von Hardegg und im Machland. Der Sinn der Inschrift in Verbindung mit dem Datum des Blattes, 1889, also einem Zeitpunkt, wo Erzherzog Franz Ferdinand nach dem Tod von Kronprinz Rudolph Thronfolger wurde, geht also in die Richtung, daß der Widmungsträger wie sein Vorfahr dem zukünftigen Herrscher die Treue zu halten gewillt ist. Es handelt sich wohl um Johann Dominik Graf Hardegg (geboren 1846). Der unbekannte Künstler hat bei seiner Darstellung auf Vorbilder aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie etwa Franz Krammers "Alpenjäger bei der Gemsjagd", zurückgegriffen und damit sicher den in künstlerischen Belangen konservativen Geschmack von Erzherzog Franz Ferdinand gut getroffen.


Selma Krasa


Literatur: Kaiser Maximilian I., Sigmund Prüschenk Frhr. zu Stettenberg, Maximilians I. vertraulicher Briefwechsel mit Sigmund Prüschenk Freiherrn zu Stettenburg. Nebst einer Anzahl zeitgenössischer das Leben am Hofe beleuchtender Briefe. Hrsg. von Viktor von KRAUS (Innsbruck 1875).
Günther PROBSZT-OHSTROFF, Die Brüder Prueschenk. In: Oberösterreichische Heimatblätter 14 (1960), H. 2, S. 115-127.