Kronprinz Rudolph und die Zoologen Alfred Brehm und Eugen von Homeyer auf Adlerjagd in den Donauauen, 1878

Kronprinz Rudolph und die Zoologen Alfred Brehm und Eugen von Homeyer auf Adlerjagd in den Donauauen, 1878

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 16.1.10, S. 314.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, Sammlung Wurzbach
Kronprinz Rudolph und die Zoologen Alfred Brehm und Eugen von Homeyer auf Adlerjagd in den Donauauen, 1878

© Historisches Museum der Stadt Wien


Zeitungsholzstich, 37,6 x 27,5

Die Abbildung erschien in " Über Land und Meer" und illustriert eine Szene auf der Donaureise, die Kronprinz Rudolph im Frühjahr 1878 gemeinsam mit Brehm und Homeyer unternahm. Zusammen mit diesen (Homeyer steht ganz links) betrachtet er einen eben geschossenen Adler. Diesem Greifvogel galt das besondere Interesse des Kronprinzen. Im Jahr vorher hatte er seine "Adlerjagden" zu Papier gebracht: "So freudig man auch bewegt ist, wenn der erste Gemsbock zu Todt getroffen, das Geröll entlang hinunter kollert, die klatschenden Steine in die Tiefe jagend; oder wenn man den stolzen Auerhahn mit sicherem Schuße von der schlanken Lärche inmitten des Hochwaldes herunterholt, wenn der Tag kaum noch graut, der Nebel im Thale sich so dicht umherwälzt, die Alpen stumm und majestätisch herunterschauen und der arme Waldgeselle sein Liebeslied dem Morgen entgegenruft oder wenn gar der starke 16 oder 18 Ender den steilen Buchenwald an schönen September-Abenden vom Schrei seiner mächtigen Stimme erdröhnen läßt...alle diese Glanzpunkte des Jägerlebens sind doch mit dem ersten Adler nicht zu vergleichen, denn nur wenigen wird er zu Theil ..." Die Verquickung von nostalgischem Naturerlebnis und Jagdleidenschaft, die aus diesen Worten spricht, findet sich auch in einer Passage der Publikation, die der Thronfolger über die Donaureise mit dem Titel "Fünfzehn Tage auf der Donau" verfaßt hat, wo er von seinen Gefühlen in der unberührten Natur des Donaudeltas spricht: "Seit Dezember verflossenen Winters, da ich meinen letzten Steinadler erlegte, hatte ich keinen Adler mehr im Freien angetroffen; nur nach den Thiergärten in London, Dublin und Berlin war ich aus dem erstickenden Nebel der Stadtluft gepilgert, um die edlen Thiere zu sehen und meine schönsten Jagderinnerungen als Labung im Getriebe der Menschen in Gedanken nochmals zu durchleben." Während dieser Reise bejagte Kronprinz Rudolph den Adler sowohl mit Hilfe seines zahmen Uhus als auch von Aasfleisch als Köder. Bei der Thematik des vorliegenden Blattes wird allerdings nicht die jagdliche, sondern die wissenschaftliche Seite der Donaureise betont. Ganz bewußt wird hier der Thronfolger als gleichberechtigter Partner in der Diskussion der Wissenschaftler vorgestellt.


Selma Krasa


Literatur: Österreichisches Staatsarchiv, HHStA, Habsburgisches Hausarchiv, Selekt Kronprinz Rudolf K 15, fol. 120.
Ueber Land und Meer. Allgemeine ilIustrierte Zeitung, 40 (1877/78).
Fünfzehn Tage auf der Donau. In: Jagden und Beobachtungen von Kronprinz Erzherzog Rudolph (Wien 1887), S. 20.