Hirschjagd und Falkenjagd, 1879

Hirschjagd und Falkenjagd, 1879

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 15.4.2, S. 293.

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Leihgeber: Museen des Mobiliendepots (Wien), ehemaliges Hofmobiliendepot, MD 038640
Hirschjagd und Falkenjagd, 1879

© Museen des Mobiliendepots, Wien


Huldigung der Jäger beim Festzug der Stadt Wien 1879,
Joseph Fux (Wien 1841-1904 Wien)
Aquarell, 70 x 255, Eichenholzrahmen, geschnitzt, dunkel gebeizt

Zu Erinnerung an die Teilnahme der Aristokratie am Festzug der Stadt Wien zur silbernen Hochzeit von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth erhielt Joseph Fux den Auftrag zu drei gleichgroßen, zweigeteilten Aquarellbildern in schwergeschnitzten Eichenholzrahmen. Sie wurden dem Kaiser zum Geschenk gemacht. In der Hofburg gehörten sie ursprünglich zur Ausstattung des Salons der Fremdenappartements. Auf den sechs Teilbildern wurden porträtgetreu jene Teilnehmer dargestellt, die beim Festzug eine besondere Aufgabe übernommen hatten: der Herold mit der Hubertusfahne, Hans Graf Wilczek sen., bei der Gemsjagd, August Graf Breunner-Enkevoirth bei der Hirschjagd, Hans Graf Wilczek jr. bei der Falkenjagd. Das dritte Bild zeigt den Wildwagen und den Festwagen mit dem Hornistenquartett unter der Leitung von Joseph Hermann Schantl. Am 27. April 1879 zogen die Festzugsgruppen, in fünf Abteilungen angeordnet, über die Ringstraße, um dem Kaiserpaar im Festzelt vor dem Burgtor zu huldigen. Die Gruppe "Historische Jagd" gehörte zur "III. Abtheilung". Sie trat in Kostümen des 16. und 17. Jahrhunderts auf. Dieser Teil des Festzuges ist zu einem festen Bestandteil der Wiener Kulturgeschichte der Gründerzeit geworden. Ein selbstbewußtes Wiener Bürgertum präsentierte die gewerbliche und industrielle Kraft der aufstrebenden Haupt- und Residenzstadt Wien. Im Gegensatz dazu wurde durch die Einbeziehung der vom Adel geprägten Jagdgruppe an die feudalistische Zeit erinnert. Diese Vermischung von Gesellschaftsgruppen war ein Spiegelbild der Wiener Gesellschaft, die sich trotz aller Abschottungen bei vielen Anlässen begegnete und Kontakt pflegte. Einer der Katalysatoren dieser Zeit war damals Hans Makart, der aus ärmsten Verhältnissen stammte und in Wien zum "Malerfürsten" avancierte, auf dessen Festen man sich traf. Hans Makart hatte von der Stadt Wien den Auftrag erhalten, innerhalb des Festzuges den kostümierten Teil zu arrangieren. Unter seinen zur Anregung der künftigen Teilnehmer ausgeführten Entwürfen widmete er drei Bilder dem Jagdthema: "Die Falkenjagd", "Festwagen der Jagd", Jagdgruppe mit Beutewagen" (Historisches Museum der Stadt Wien). Die übrigen Gemälde galten den gewerblichen Gruppen des Festzuges. Für die Ausführung beschäftigte Makart zahlreiche Künstlerkollegen. Fux übernahm die gesamten Vorbereitungen der Jagdgruppen. Bei der Durchführung folgten einem Jäger mit Hubertusfahne die Gruppen der Reisjagd, Gemsjagd, Hirschjagd, der Saujagd, der Bärenjagd, der Falkenjagd; der Beutewagen fuhr in der Mitte. Nachdem die Wiener Bürgerschaft für die Teilnahme gewonnen war, wollte auch die Aristokratie, die anfänglich gezögert hatte, nicht zurückstehen. Es wurde beschlossen, "eine getreue Darstellung der verschiedenen Jagdaufzüge aus der Zeit Kaiser Max I. zu veranstalten". Dabei sollten ursprünglich nur jene adeligen Familien teilnehmen können, die schon zur Zeit Kaiser Maximilians I. Jagdherren waren. Mit Rücksicht auf Albert Rothschild, der am Festzug teilzunehmen wünschte und auch einen Hauptteil der Kosten trug, wurde diese Einschränkung unterlassen. Albert Salomon Freiherr von Rothschild (1844-1911), der das Palais in der Prinz Eugen-Straße errichtet hatte, veranstaltete als leidenschaftlicher Jäger regelmäßig große Treibjagden auf seinen Besitzungen, zu welchen Aristokratie und Großbürgertum eingeladen waren. Auch Nathaniel Freiherr von Rothschild (1836-1905) nahm am Festzug teil und wird auf der Stifterliste der Fuxschen Bilder genannt.
Als ganz besondere Huldigung an die Person des obersten Jagdherrn der Monarchie arrangierten Vertreter der Aristokratie, die nicht bei der Gruppe "Historische Jagd" teilgenommen hatten, als "IV Abtheilung" die "Moderne Hochgebirgsjagd" mit fünfzig Jagdherren, "knorrigen Weidmännern, bellenden Hunden", Jägern aus den österreichischen Erblanden, Jagdarten (Gamsjagd, Auerhahnjagd, Brackierjagd), mehrere Wildpretwagen und Reitponys. Der Krainer Beutewagen von Hugo Fürst Windisch-Grätz war mit Bären und Wölfen bestückt.


Renata Kassal-Mikula


Literatur: Programm für den Huldigung-Festzug in Wien zur Feier der silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin. Hg. Festkommission des Gemeinderates (Wien 1879), S. 9f., S. 30.
Festzugswerk, Hg. Gemeinderat der Stadt Wien mit 37 Tafeln (Wien 1881) S. 5, S. 23f., S. 31, S. 36f.
Egon Caesar Conte CORTI, Mensch und Herrscher. Wege und Schicksale Kaiser Franz Josephs I., Bd. 2: Zwischen Thronbesteigung und Berliner Kongreß (Graz-Wien-Altäning 1952), S. 527.
Erste Internationale Kunst-Ausstellung im Künstlerhaus, Saal XV (Stiftersaal) (Wien 1882), Kat. Nr. 1.