"S.M. Kaiser Franz Josef I. auf der Jagd. / Mitterweißenbach 31. Juli 1912"

"S.M. Kaiser Franz Josef I. auf der Jagd. / Mitterweißenbach 31. Juli 1912"

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 15.2.6, S. 280.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 37.985

© Historisches Museum der Stadt Wien


August Böhm (Hofrat und Hofjagdleiter des Kaisers)
Heliogravure nach Photographie, 28,7 x 38,3 (Pl), 54 x 70,3 (Blatt)

Bei dieser Jagd handelt es sich um das Ende eines Riegeltriebes im Kühsteg-Anger bei Mitterweißenbach. Im Jahr 1912 plagten den 82jährigen Monarchen bereits Schwindelanfälle und Unsicherheiten. Er bejagte Hirsche und Gamswild des Salzkammergutes nur mehr bei weniger beschwerlichen Pirschen und mit sinkender Trefferquote. Weil man damit rechnete, daß jeder Abschuß auch der letzte sein könnte, bestellten die Leibjäger auch immer einen Photografen. Alle drängten sich zum Gruppenbild in die Nähe des Kaisers. Vom Hirsch, der am 31. Juli 1912 erlegt und fotografiert wurde, wollten viele höhere Hofbeamte einen Lauf zur Erinnerung besitzen. Am Schluß ergab sich, daß dieser Hirsch sieben Läufe gehabt haben muß! Seinen letzten Hirsch erlegte Kaiser Franz Joseph I. am 13. August 1913 ebenfalls in Mitterweißenbach unweit Ischls. In den späten Huldigungsschriften für Kaiser Franz Joseph I. wird nicht nur das Jagdglück des Monarchen hervorgehoben, sondern auch die Funktion der Jagd als wirtschaftlich belebendes Element der jeweiligen Gegend: "Der Kaiser selbst hat schon über tausend Hirsche und mehr als zweitausend Gemsen erlegt, deren Geweihe und Krickeln die Wände aller Jagdschlösser und viele Säle zieren. Ist der Kaiser bei einer solchen großen Jagd anwesend, so herrscht ein ganz anderes Leben unter den Jägern und Treibern. Alle sind vom größten Eifer beseelt, damit die Jagd nur ja gut ausfalle. Bei Besichtigung der Strecke wird das Wild sogleich von den Jägern aufgebrochen und die ,Bauschen', Lunge, Leber, Herz und Nieren, werden entnommen. Von allem erbeuteten Wilde gehört dieser 'Jägerrest' jenem Förster, in dessen Bezirk die Jagd war. Im nächsten Wirtshaus bekommen dann die Treiber, oft hundert oder hundertfünfzig an der Zahl, ihr Freibier mit Würstel und Brot. Des Kaisers Jagden sind für die ganze Gegend des Leibgeheges etwas sehr Wichtiges, alles Belebendes. Schönes Schußgeld erhalten die Förster, auch die Treiber verdienen reichlich. Das viele Wildbret wird in Ebensee in der Forstverwaltung verkauft. Das ,Vordere' ist recht billig, und da leben die Leute gut, die ja sonst nicht allzu oft Fleisch essen können."


Renata Kassal-Mikula, Hermann Prossinagg


Literatur: Franz Joseph I., Kaiser von Österreich, Österreichs Hort. Geschichts- und Kulturbilder aus den Habsburgischen Erbländern. Eine Festgabe an das deutsch-österreichische Volk zur Jubelfeier des Kaisers Franz Josef I. 1908, 2. Bd. (Wien 1910), S. 221.