Aufbruch zur Parforcejagd von Schloß Orth, 1874

Aufbruch zur Parforcejagd von Schloß Orth, 1874

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 13.10, S. 231.

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Leihgeber: Niederösterreichisches Landesmuseum (Wien), 7513
Aufbruch zur Parforcejagd von Schloß Orth, 1874

© Niederösterreichisches Landesmuseum


Franz Rumpler (Tachau 1848-1922 Klosterneuburg)
Öl auf Leinwand, 54 x 67
Signiert links unten: F Rumpler 1874

Franz Rumpler malte ein Landschaftsbild mit tiefgezogenem Himmel. Schloß Orth ragt als Architekturkulisse im Hintergrund empor. Die Parforcejäger beim Aufbruch zur Jagd, die wartende Hundemeute, die von einem jungem Jäger bewacht wird und zwei auffliegende Wildgänse beobachtet, sind nicht der zentrale Darstellungsgegenstand, sondern Bestandteil der Komposition. Dem Maler ist die Wiedergabe der atmosphärischen Stimmung wichtiger als die jagdliche Thematik.
Schloß Orth befand sich seit 1824 in kaiserlichem Besitz und war dem Privat- und Familienfonds einverleibt. Vorbesitzer waren die Grafen Fries. Lange Zeit wurde der Besitz nur wirtschaftlich genützt, bis Kronprinz Rudolph seit 1873 mit seinen Freunden die Jagdmöglichkeiten in diesem Revier entdeckte. Die Räume wurden zur Bequemlichkeit der Benützer neu, im späthistoristischen Stil, ausgestattet. Der Kammerbüchsenspanner des Kronprinzen, Rudolf Püchel, beschreibt den Abend des 14. September 1887 eines zweitägigen Aufenthaltes zur Hirschjagd, an dem neben Rudolph und Stephanie Erzherzog Franz Ferdinand (der spätere Thronfolger), dessen Bruder Erzherzog Otto, Rudolphs Schwager, Prinz Philipp von Coburg und seine Frau Louise, eine Schwester von Kronprinzessin Stephanie, sowie Graf Potocki teilnahmen. Am Abend nach Ende der Jagd gab es in Schloß Orth ein Souper: "Die hohe Tischgesellschaft verblieb bis nach dem Souper in angeregter Unterhaltung im Speisesaale. Es wurden abwechselnd Musikstücke und durch den Fiaker Bratfisch und Konsorten Wiener Lieder vorgetragen..." Von diesem Jagdaufenthalt an pflegte der Kronprinz freundschaftlichen Umgang mit Bratfisch, der sein Leibfiaker wurde. Noch wenige Tage vor seinem Tod jagte Kronprinz Rudolph im Orther Revier auf Seeadler.


Renata Kassal-Mikula


Literatur: Rudolf PÜCHEL, Meine Jagderlebnisse mit Kronprinz Rudolph. Die bisher unveröffentlichten Memoiren des Leibjägers Rudolf Püvhel sowie 13 Zeichnungen desselben. Hrsg. von Elisabeth Koller Glück (St. P ölten 1978), S. 140ff.
Walter BRAUNEIS, Die Schlösser im Marchfeld (St. Pölten/Wien 1981), S. 23.
Hermann PROSSINAGG, Kronprinz Rudolf ein Weidmann? In: Österreichs Weidwerk 10 (1987), S. 21ff.