Entwurf zum Denkmal für die Gefallenen des 8. Jägerbataillons am Königgrätzer Wald, 1895

Entwurf zum Denkmal für die Gefallenen des 8. Jägerbataillons am Königgrätzer Wald, 1895

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 12.22, S. 223.

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Leihgeber: Heeresgeschichtliches Museum (Wien), Bl 31.664
Entwurf zum Denkmal für die Gefallenen des 8. Jägerbataillons am Königgrätzer Wald, 1895

© Heeresgeschichtliches Museum, Wien


Viktor Tilgner (Preßburg 1844-1896 Wien)
Gips, Höhe 41, Sockel 13 x 20

Im März 1895 formierte sich ein Verein aus ehemaligen Unteroffizieren und Jägern des 8. Jägerbataillons, um den am 3. Juli 1866 gefallenen Offizieren und Mannschaften auf dem Schlachtfeld von Königgrätz ein Denkmal zum 30. Jahrestag zu setzen. Als Teil des IV. Korps waren sie beim Kampf um den Swiep-Wald gegen die 7. preußische Division eingesetzt. Dabei gelang es dieser, den Vorstoß der Österreicher zurückzuweisen, wobei das Schnellfeuer der Zündnadelgewehre entscheidend geholfen haben soll. Trotzdem wurde der Swiep-Wald von den Österreichern wieder zurückerobert. Die Kämpfe wurden auf beiden Seiten mit großem Einsatz geführt und die Verluste waren schwer. Tilgners Denkmal wurde am Ort dieser Kämpfe am Rande des Swiep-Waldes in Cistoves an der Stelle, wo das Bataillon am 3. Juli 1866 zum Sturmangriff übergegangen war, aufgestellt und feierlich enthüllt. Um diese Zeit, dreißig Jahre nach der für Österreich so verhängnisvollen Schlacht, war man durch den zeitlichen Abstand in der Lage, das Ereignis in einer Weise zu betrachten, die eine emotionslosere Auseinandersetzung damit möglich machte. Unmittelbar danach war es anders. In einem "Aphorismen über Jagd und Krieg" betitelten Artikel setzte sich 1866 die Jagdzeitung damit auseinander: "Bei dem Menschengeschlechte hat sich, wie die Traditionen der Geschichte uns belehren, seit seinem Bestehen eine Leidenschaft geltend gemacht, die den Menschen zu Äußerungen von Kraft und Gewandtheit und somit zu Thaten anspornte, welche vorerst die Bekämpfung seiner vernunftlosen Mitgeschöpfe und zuletzt die Vernichtung seinesgleichen zum Zwecke hatte. So entstand Jagd und Krieg." Tilgner hat sich bei seinem Entwurf nicht an den zu seiner Zeit üblichen Typus für Kriegerdenkmäler gehalten (Deutschmeister-Denkmal von Johannes Benk, 1906, Hesser-Denkmal von Josef Tuch, 1909), sondern greift auf klassizistische Grabmalstypen zurück. Der Feldjäger, ein Unteroffizier, steht, auf sein Gewehr gestützt, mit einem Gestus der Trauer neben einem Sarkophag, ein Motiv ähnlich dem von Franz Anton Zauners Laudon-Grabmal, das in vielen Varianten auf Friedhöfen zu sehen ist: Der scheinbare Gegensatz zwischen dem klassisch-zeitlosen Trauergestus und der realistischen auf jede Einzelheit der Uniform eingehenden Darstellung des Soldaten erscheint durch Tilgners Meisterschaft in der Oberflächenbehandlung, der fast barock anmutenden Umrißlinie und den Hell-Dunkel-Effekten wieder aufgehoben. Ein weiterer Entwurf befindet sich im Villacher Stadtmuseum.


Selma Krasa


Literatur: Österreichisches Staatsarchiv, KA, Präs. Akten 58-36 aus 1896.
Jagd-Zeitung 9 (1866), S. 622.
Eberhard KAULBACH, Königgrätz nach hundert Jahren - Zur militärischen Führung. In: Entscheidung 1866. Der Krieg zwischen Österreich und Preußen. Hrsg. von Wolfgang von Groote (Stuttgart 1966), S. 168f.