"Adler seinen Horst vertheidigend", um 1860

"Adler seinen Horst vertheidigend", um 1860

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 12.15, S. 216.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 108.380/34

© Historisches Museum der Stadt Wien


Anton Straßgschwandtner (Wien 1826-1886 Wien)
Kreidelithographie, 64 x 44
Bezeichnet links und Mitte unten im Druck: Gez. u. lith. v. A. Straßgschwandtner - Verlag u. Eigenthum von F. Paterno in Wien
Blatt 33 aus: Jagd-Album

Das um 1860 entstandene Jagdalbum besteht aus einem Titelblatt und ursprünglich 40 Lithographien, zu denen später noch 16 dazukamen, was die Beliebtheit der Serie beweist. Die hier dargestellte Szene wurde im vorigen Jahrhundert immer wieder gern von Künstlern ihrer Dramatik wegen dargestellt. Die Verfolgung und der Abschuß des Adlers zählte zu den" vornehmsten Aufgaben" des Jägers, weil man diesen Greifvogel zu den ärgsten Räubern und Schädlingen des Jagdreviers rechnete. Zur Bekämpfung des Adlers gehörte auch das gefährliche Ausnehmen des Adlerhorstes, das häufig Anlaß zu abenteuerlichen und oft weit übertriebenen Geschichten gab. In zwei Blättern im Historischen Museum (Inv. Nr. 95.174/1-2) beschreibt zum Beispiel Jacob Gauermann eine Episode, in der eine Bäuerin ihr Kind, das von einem Adler angegriffen wird, mit einer Sichel verteidigt. Ein bekanntes Beispiel der Schilderung des Ausnehmens eines Adlerhorstes findet sich in Ludwig Ganghofers "Schloß Hubertus".
Das Ausnehmen und Beschießen von Adlerhorsten wurde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts vorgenommen. Eine ganz ähnliche Szene wie Straßgschwandtner schildert auch August Gerasch in einem 1852 datierten Ölbild, das vor kurzem in einer Auktion zu sehen war. Möglicherweise diente dieses Bild oder ein ähnliches (Jacob Gauermanns entsprechende Darstellung aus der Alpenjäger-Serie) Straßgschwandtner als Vorlage für seine Lithographie.


Selma Krasa, Hermann Prossinagg


Literatur: Jagdalbum gezeichnet und lithographiert von Straßgschwandtner (Nachdruck), kommentiert von Wilhelm Schlag (Wien 1960).