Franz Anton Graf Sporck als Großmeister des Hubertusordens, 1735

Franz Anton Graf Sporck als Großmeister des Hubertusordens, 1735

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 10.26, S. 186.

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Leihgeber: Österreichische Nationalbibliothek (Wien), Pg 441: I (10)
Franz Anton Graf Sporck als Großmeister des Hubertusordens, 1735

© Österreichische Nationalbibliothek, Wien


Emanuel Joachim Haas
Kupferstich, 32,3 x 23,4 (Pl), 65 x 44 (Blatt)
Bezeichnet links unten im Druck: ad vivum delineavit et fecit / d. g. Juny 1735. / Emanuel Joachim Haas.
Aufschrift: Franciscus Antonius / S. R. Comes de Sporck. / Dominus in Lissa, Konogedt, Gradlitz, et Herzmanitz. / S. C. M. Act intimus Consiliarius, Camerarius, et Regius / Locumtenens. Natus die 9. Marty 1662. Aetatis LXXIII. ann.

Der von Sporck 1695 in Böhmen gegründete Hubertusorden war eine adelige Jagdgesellschaft von Parforcejägern, in die auch Ausländer und Damen aufgenommen wurden. Die drei Hauptpflichten der Ritter bestanden darin, ihr Leben lang den heiligen Hubertus zu verehren, ein rechter Liebhaber der Parforcejagd zu sein und den Orden zu fördern und seine Satzungen einzuhalten. Zu diesen zählte die Pflicht, bei der Jagd das Ordensabzeichen, das aus einer Medaille an goldener Kette mit einem daran hängenden Jagdhorn bestand, zu tragen, am Fest des Heiligen nach einer Messe eine Parforcejagd abzuhalten und täglich zu ihm zu beten. Die Verehrung des heiligen Hubertus und Orden in seinem Namen gab es seit dem 15. Jahrhundert. Vor allem im Westen Europas ersetzte er im Laufe der Zeit besonders im Zusammenhang mit der Parforcejagd, so scheint es, den heiligen Eustachius und übernahm sein Fest am 5. November. Graf Sporck war nicht nur ein begeisterter Parforcejäger, er züchtete auch die besten chiencourrants (Meutehunde) in den österreichischen Erblanden. Anläßlich der Reise von Karl VI. zur böhmischen Königskrönung nach Prag, 1723, plante er die Aufnahme des Kaisers in seinen Orden. Seit Jahren trug Sporck mit dem Wiener Hof Rechtsstreitigkeiten in jagdlichen Belangen aus, und der Aufenthalt des Kaisers in Böhmen sollte nun zur Klärung dieser Angelegenheiten genützt werden. Am Hubertustag folgte der Kaiser Sporcks Einladung in sein Revier, und obwohl die Strecke nicht sehr gut war, blieb er bis abends. Bei der abschließenden Tafel unter einer Eiche in der Nähe des Jagdschlosses Hlavenec wurde die Aufnahmezeremonie vorgenommen. Der dem Kaiser überreichte Orden war aus reinem Gold und mit Rubinen verziert. Danach trank Sporck auf die Gesundheit des "allerfürnembsten Jägers in Europa". Zur Verewigung des Ereignisses ließ Sporck an dieser Stelle durch Matthias Braun ein Denkmal errichten. Es zeigt den Kaiser in einem Pavillon, der von der Figur des heiligen Hubertus, der vor dem Hirsch kniet, bekrönt wird. Auch der Stich spricht das Ereignis an. Graf Sporck hält das Ordensbuch an der Stelle aufgeschlagen, auf der die Eintragung der Aufnahme von Karl VI. erfolgt war. Mit der Linken weist Sporck auf eine Parforcejagd, auf einen Hirsch und das Schloß Lissa. Mit dem Tod Sporcks, 1738, endete auch der Orden.


Selma Krasa


Literatur: Heinrich BENEDIKT, Franz Anton Graf von Sporck (1662 - 1738). Zur Kultur der Barockzeit in Böhmen (Wien 1923).
Georg MITSCHKE, Jagdorden aus alter und neuer Zei. Eine Zusammenstellung des Schrifttums und Archivmaterials (Berlin 1940), S. 33-40 u. 112ff.
Pierre LOEVENBRUCK, Saint Hubert, patron des chasseurs, sa vie, sa légende, son culte (Paris 1960).
Arno PAFFRATH, Die Legende vom Heiligen Hubertus. Ihre Entstehung und Bedeutung für die heutige Zeit und für die Hubertusfeiern (Hamburg, Berlin 1961).