Wasserjagd in einem Donauarm bei Ungarisch-Altenburg, um 1770

Wasserjagd in einem Donauarm bei Ungarisch-Altenburg, um 1770

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 10.19, S. 183.

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Leihgeber: Graphische Sammlung Albertina (Wien), 14.718
Wasserjagd in einem Donauarm bei Ungarisch-Altenburg, um 1770

© Graphische Sammlung, Albertina, Wien


Nicolaus Janscha (tätig um 1770)
Feder, aquarelliert, Deckfarben, 37,8 x 53,3
Beschriftung mit Bleistift auf Passepartout: "N. Janscha" und "Vue d'un Chasse faite sur un Bras de Danube de Bois nommé de Lovar en Hongrie"
Farbtafel

Ende des Sommers schlossen die großen Jagden meist mit einer Wasserjagd in den Donauauen ab. Es handelte sich dabei um eine "gesperrte" Jagd. Zwischen dem im Donauarm parallel verankerten Jagdzeug wird das Rot- und Schwarzwild zu beiden Seiten des Schiffes ins Wasser getrieben und schwimmt ("rinnt") an das gegenüberliegende Ufer. Der Pulverrauch veranschaulicht die abgegebenen Schüsse der Jäger, die im Boot stehen. Die Verlangsamung des Wildes im Wasser erhöhte die Treffsicherheit der Jäger. Einige Hirsche und Sauen liegen mit den Läufen nach oben gestreckt im Wasser, eine naive, nicht der Realität entsprechende Darstellung. Vom Boot aus birgt das Jagdpersonal die Tiere, die schließlich am linken Ufer mit Stangen weggetragen werden. Form und Ausstattung des großen Kahnes in der Wassermitte erinnert an den berühmten Bucentaurus, wenn auch in vereinfachter Bauweise. Eine Prunkausführung nach dem venezianischen Vorbild gab es für Jagdzwecke schon im 17. Jahrhundert auf dem Starnberger See. Beim "letzten Barockfest", das der Besitzer von Schloßhof, Prinz Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen, im Herbst 1754 für Maria Theresia und ihren Gemahl Kaiser Franz I. Stephan gab, war der Höhepunkt eine Jagd in den Marchauen. Dabei wurden die allerhöchsten Herrschaften in einer Flottille von Prunkbarken die March abwärts gerudert. Möglich, daß eine dieser Prunkbarken noch länger in jagdlicher Verwendung stand. Das Aquarell steht den Laxenburgbildern von Brand vom Ende der fünfziger Jahre nahe. Der Künstler, von dem nichts Näheres bekannt ist, scheint in Westungarn gewirkt zu haben. Das Blatt soll nach einem Bild im Parterre des Schlosses Halbthurn gemacht worden sein.


Renata Kassal-Mikula


Literatur: Maria Theresia und ihre Zeit. Eine Darstellung der Epoche von 1740-1780 aus Anlaß der 200. Wiederkehr des Todestages der Kaiserin. Hrsg. von Walter Koschatzky (Salzburg/ Wien 1979), Nr. 139,12.