Kaiserin Maria Theresia auf einer Hirschjagd, um 1744

Kaiserin Maria Theresia auf einer Hirschjagd, um 1744

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 10.16, S. 182.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 179.420
Kaiserin Maria Theresia auf einer Hirschjagd, um 1744

© Historisches Museum der Stadt Wien


Gabriel Bodenehr der Jüngere (Augsburg 1705-nach 1799) nach Johannes Esaias Nilson (Augsburg 1721-1788 Augsburg)
Mezzotinto, 45,5 x 32,3
Bezeichnet links und rechts unten im Druck: Johan Esaias Nilson del. - Gabr. Bodenehr sculps. et. exctid. Aug. V.

Das Blatt zeigt Maria Theresia mit einer Suite von Damen vor einer eingestellten Hirschjagd. Ihr Obersthofmeister Fürst Franz Joseph Khevenhüller, der selbst kein Jäger war, bezeichnete sie zwar als "von Jugend auf keine Liebhaberin von Schießen und Jagen", in seinen Tagebüchern wird Maria Theresia aber, vor allem in den vierziger Jahren, immer wieder als Jagdteilnehmerin erwähnt; so zum Beispiel am 28. Dezember 1743, wo sie auf der Schütt mit den Hofdamen, um diese zu unterhalten, auf die Schweinejagd ging. Auch im darauffolgenden Jahr gab es zwischen 16. und 18. Oktober "Parties de Chasse mit denen den Hof attachierten Damen". Für diese Entstehungszeit des Blattes spricht neben dem Alter Maria Theresias auch der Schmuck, den sie um den Hals trägt und der am Brustausschnitt getragen auf allen 1743/44 von Liotard geschaffenen Porträts zu sehen ist. Im Hintergrund sind ein Reiter und eine Reiterin zu sehen, die mit Pistolen auf einen Hirsch schießen. Da Maria Theresia in ihrer Jugend eine passionierte Reiterin war, nahm sie auch, sogar während ihrer Schwangerschaften, an Parforcejagden ihres Gatten, Franz Stephan von Lothringen, teil. Das Blatt ist vor allem wegen seines Gegenstandes interessant, künstlerisch und auch in der technischen Ausführung ist es von mittelmäßiger Qualität. Außerdem hat der Zeichner, um die Komposition rhythmisch zu gestalten, Maria Theresia auf die falsche, die rechte Seite des Pferdes gesetzt. Die Hofdame hinter ihr hat einen korrekten Sitz. Das Blatt ist das vierte in einer Reihe von Darstellungen zeitgenössischer Regentenpersönlichkeiten, die Bodenehr herausgab.


Selma Krasa


Literatur: Fürst Franz Joseph KHEVENHÜLLER, Tagebücher, Bd. 1. Hrsg. von Hanns Schlitter (Wien-Leipzig 1907), bes. S. 185, 197, 253.