Eber,1712

Eber,1712

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 10.6, S. 155.

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Leihgeber: Kunsthistorisches Museum (Wien), Gemäldegalerie, 2525
Eber,1712

© Kunsthistorisches Museum, Wien


Philipp Ferdinand de Hamilton (Brüssel um 1667-1750 Wien)
Öl auf Leinwand, 131 x 127
Signiert rechts unten: Philip F. de Hamilton
Aufschrift: Unter Ihro Fürstlichen Gnaden / Fürst Harthman von und zu Liech/tenstain, Kay: Obrist, Jägermaister / ist diße Schwein in einer gesperten / Hetz. den 14ten October a: 1712: / in Dornbacher Dienst unter daß / Forstamt Au Hof gehörich auf / dennen kreüdern vorgejaget und / gehezt wordten. Welches gewog=/ en - 410 Pfundt Die Höhe desselben 11/2 Elln / und 1/2 viertt, die Lenge und die Tiefhe / aber, waren von der maß gleich. / 2 wienner Elln 1 und 1/2 viertl.
Farbtafel

Ende Jänner 1712 traf Kaiser Karl VI. aus Spanien ein. Schon im ersten Jahr in Wien, noch vor der Erbhuldigung, gelang es Karl VI., einen Eber zu erlegen, der wegen seines Gewichts (fast 230 kg) und seiner Größe (Höhe 116 cm) vom kaiserlichen Kammermaler Hamilton gemalt wurde und eine Legende über die Umstände der Jagd erhielt.
Damals gab es großen Unmut bezüglich des Überstandes von Rot- und vor allem von Schwarzwild und die dadurch angerichteten Flurschäden. 1710 wurde eine Landesbeschwerde eingebracht, die 1712 von den Landständen bei Karl VI. vorgebracht wurde. Darüber hinaus wandte man sich auch gegen das Recht, für jagdliche Zwecke bis zu 14 Tagen in den Weingärten Netze zu spannen.
Auf Hamiltons Bild wird durch einen herbstlich verfärbten Weinstock angedeutet, daß bei dieser Eberjagd Weingärten in Dombach betroffen waren. Das Recht war jedoch auf seiten des Kaisers. Auf der rechten Seite ist ein Eichenbaum angedeutet, dessen Blätter und Eicheln bevorzugte Nahrung von Schwarzwild sind. Insgesamt füllt der riesige Eber die ganze Bildfläche aus, die Landschaft ist nur Beiwerk. Die Darstellung des Tieres ist virtuos, besonders die Kopfpartie mit dem Gewaff, wobei der linke Haderer (Eckzahn im Oberkiefer) abgebrochen ist. Auch die Borsten sind mit viel Einfühlungsvermögen in ihrer natürlichen Beschaffenheit gemalt. Philipp Ferdinand de Hamilton, Bruder von Johann Georg, war kaiserlicher Kammermaler unter Karl VI. Er bekam diese Position bereits von Kaiser Joseph I. 1705 und behielt sie unter Maria Theresia bis zu seinem Tod 1750 bei.


Renata Kassal-Mikula