"K: K: Priv: Hetz Amphitheater in Wien", um 1790

"K: K: Priv: Hetz Amphitheater in Wien", um 1790

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 9.28, S. 145.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 105.103

© Historisches Museum der Stadt Wien


J. Eder nach H. Sommer
Radierung, koloriert, 29,2 x 35
Bezeichnet Iinks und rechts unten im Druck: H. Sommer fec. - J. Eder ex.
Farbtafel

Die Tierhetze zählte im Wien des 18. Jahrhunderts zu den Hauptbelustigungen, die das gemeine Volk ebenso ansprach wie Hof und Adel. Seit 1720 gab es das erste Hetztheater. 1755 erbaute der Franzose Carl Defraine ein hölzernes Amphitheater mit drei Galerien und Platz für 3000 Personen vor dem Stubentor in der Vorstadt unter den Weißgerbern. Unter Joseph II. wurde es 1768 der k.k. Obersten Theatral-Hofdirektion unterstellt, die Einnahmen flossen der Armenkasse zu. Auf Hetzzetteln wurde das jeweilige Programm abgedruckt. Am 18. Mai 1794 fand solch ein typisches Spektakel der Grausamkeit statt: "Die K.K. Thierhetzpachtung erstattet hiemit öffentlichen verbindlichsten Dank, der allerhöchsten Huld und Gnade Sr. Majestät, womit dieser huldreiche gnädigste Monarch (Kaiser Franz II./I.) dieses Volkspektakel durch Uibermachung zweyer kämpfender Wildschweine aus dem Auhofthiergarten beschenkten, um seine getreuen Unterthanen in den müßigen Stunden mit abwechselnden starken Kämpfen geschmackvoll unterhalten zu können... Eine Parforcejagd mit den Tann=Hirschen auf Leben und Tod. Zu dieser werden vorzüglich die Budeln fürgeladen, welchen es überlassen ist, mit diesen luftigen Springer zu schalten und zu walten; sollten sie aber dennoch nicht Meister über ihn werden können, so steht schon eine schlanke schwarze Docke in Bereitschaft, die ihm gewiß den Garaus machen wird. ... Zieht man die Falle einer neuen aus allerhöchsten Gnade erhaltenen und für diesen Streitplatz bestimmten bösen Wildsau, die durch ihre Kniffe und Ränke ihren Erbfeinden das Besiegen äußerst schwer machen will; allein die gutgeübten Schweinshunde lassen sich nicht foppen, und packen die Sau bei ihren Losern." 1796 brannte das Theater ab. Kaiser Franz II. untersagte alle weiteren Tierhetzen. Neben diesem bekanntesten Hetztheater seien noch zwei weitere erwähnt. 1735 wurde durch den Hofingenieur Francesco Galli Bibiena und den Hofbildhauer Antonio Corradini am Heumarkt ein Hetztheater errichtet. In den dreißiger Jahren errichtete auch Johann Emanuel Fischer von Erlach ein großes hölzernes, grauweiß gestrichenes Hetztheater "nächst der Caroli Boromaei Kirchen" mit vier Galerien und einer Kaiserloge: "auch haben Ihro Maytt: eine aparte loge in der ersteren galerie welche mit einem frontispicio versehen, worauff ein Adler mit der Jovis Donner Keillen von bildhauer ausgehauen und vergoltet ..." Diese beiden Hetztheater zeugen dafür, daß auch die im Hofdienst tätigen Künstler sich solchen Bauaufgaben widmeten und Kaiser und Hof diesen Tierkämpfen ihre Aufmerksamkeit schenkten.


Renata Kassal-Mikula


Literatur: Thomas ZACHARIAS, Joseph Emanuel Fischer von Erlach (Wien 1960), S. 87-89.
Felix CZEIKE, Richard GRONER, Das große Groner Wien Lexikon (Wien 1974).
Tino ERBEN, Zaubertöne. Mozart in Wien 1781- 1791. Künstlerhaus, 6. Dezember 1990 - 15. September 1991 (= Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien 139, Wien 1990).