Die Nikolaikapelle im Lainzer Tiergarten, um 1845

Die Nikolaikapelle im Lainzer Tiergarten, um 1845

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 9.22, S. 141.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 105.053
Die Nikolaikapelle im Lainzer Tiergarten, um 1845

© Historisches Museum der Stadt Wien


Franz Steinfeld (Wien 1787 - 1868 Pisek)
Aquarell über Bleistift, 19,1 x 25,4 cm
Signiert Mitte unten: F. Steinfeld
Bezeichnet Mitte unten: Kaiser Thiergarten
Farbtafel

Die dem heiligen Nikolaus bzw. später dem heiligen Eustachius geweihte Kapelle steht im Lainzer Tiergarten unweit des Nikolaitores auf einer Hangverflachung am Südosthang des Nikolaiberges. Die Lage der Kapelle an der durch den Nikolaiberg im Süden und den Bierhäuslberg im Norden gebildeten Engstelle im Wiental dürfte für die Wahl des ersten Patroziniums ausschlaggebend gewesen sein: Eine Kapelle zu Ehren des Wasserpatrons Nikolaus Episcopus als Fürbitter vor den verheerenden Hochwassern der Wien erscheint naheliegend. Zweifellos besaß die Lage der Kapelle an der Hütteldorfer Furt, der ersten Gelegenheit, von Westen kommend die Wien zu durchqueren, auch strategische Bedeutung, wie heute noch an den Resten der künstlichen Umwallungen einer mittelalterlichen Wehranlage sichtbar ist. Auf der Nikolaiwiese und am Kapellenplateau bestand vom späten 11. bis ins frühe 16. Jahrhundert eine Ansiedlung. Im 14. Jahrhundert trug dieser Ort den Namen Oberhacking. Die Kapelle wurde, wie aus Stilmerkmalen geschlossen werden kann, in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. Als Stifter der Kapelle kommt ein Mitglied aus dem Ministerialengeschlecht der Herren von Hacking in Frage, die im 12. Jahrhundert Grundherren des Nikolaiberges waren. Die Kapelle wurde als einschiffiger Rechteckbau, bestehend aus einem nahezu quadratischen Joch, dem sich ein Vorjoch im Westen und eine halbkreisförmige Apsis im Osten anschließen, errichtet. Eine Zerstörung der Kapelle im 13. Jahrhundert, die auch archäologisch nachgewiesen wurde, hatte eine zweite Bauphase zur Folge.


Gerd Pichler


Literatur: Thomas GERGELY, Gabriele GERGELY, Hermann PROSSINAGG, Vom Saugarten des Kaisers zum Tiergarten der Wiener. Die Geschichte des Lainzer Tiergartens- entdeckt in einem vergessenen Archiv (Wien 1993).
Gerd PICHLER, Die Nikolaikapelle im Lainzer Tiergarten. Aufnahmearbeit am Institut für Kunstgeschichte, ungedruckt (Wien 1995).