Das Rüdenhaus in Erdberg, 1872

Das Rüdenhaus in Erdberg, 1872

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 9.8, S. 136.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 15.250
Das Rüdenhaus in Erdberg, 1872

© Historisches Museum der Stadt Wien


Emil Hütter (Wien 1835 - 1886 Wien)
Aquarell, 23,8 x 31,5 cm
Signiert und datiert links unten: E Hütter fec ad nat / 1872.
Aufschrift Mitte unten: Das Rüdenhaus / Nr. 16 neu / Nr. 364 alt / Erdberg, Dietrichgasse im J. 1872.
Aufschrift auf der Rückseite. Ansicht der Westseite des Rüdenhauses in Erdberg

Im 13. Jahrhundert besaßen die Babenbergerherzöge in Erdberg ein Jagdschloß. Damals bestand schon ein Rüdenhof, über dessen genauen Standort unterschiedliche Angaben vorliegen. Pemmer beschreibt seine Lage im Gebiet des heute durch die Göllner-, Haidinger-, Hagenmüller- und Rüdengasse abgegrenzten Häuserblocks. Grüner beschreibt ihn als großen, von einer Mauer umgebenen, landesfürstlichen Besitz mit Häusern für die Jäger und die Rüdenknechte, mit einer Schießstätte. Kaiser Maximilian I. und auch seine Nachfolger unterhielten im Rüdenhaus 300 bis 400 Rüden für ihre Jagden. Die Hofkammerrechnungen von 1511 bis 1519 weisen folgendes Dienstpersonal für das Rüdenhaus aus: zwei Hofjäger, einen Ober- und einen Unterrüdenmeister. Jeder Rüdenmeister hatte zwei Rüdenknechte unter sich. Das übrige Personal bestand aus einem Hirschhäuter, Pfleger, Tierwärter und einem Torwart. Es mußte nicht nur auf die richtige Wartung der Tiere geachtet werden, sondern auch darauf, daß sich die einzelnen Rassen nicht vermischten. 1638 befanden sich laut den Akten des Oberstjägermeisteramtes nur mehr 26 englische Rüden, 8 "Leithund" und 50 "Khupl Jägerhundt" im Rüdenhaus. Die aus England importierten Züchtungen waren äußerst teuer in der Anschaffung. Der wertvollste Hund ("Laidthundt") der Hundemeute mußte ein bestimmtes Wild an seiner Fährte ausmachen und solange verfolgen, bis man die Meute ("Hatzhunde") einsetzen konnte. Um das Jagen in der Meute zu erlernen, wurden je zwei Hunde, ein erfahrener und ein ungeübter, zusammengekoppelt. Fallweise gab es auch Verpflegungsschwierigkeiten: so ersuchte 1646 Hanns Graf Althan den Hofpräsidenten Franz Graf von Kolowrat, ihm 3-4 "Mut" Korn, das Brot der Hunde wurde in eigenen Öfen gebacken, für das Rüdenhaus anzuweisen. Auch an Kaiser Ferdinand III. erging ein Gesuch, da sonst "die Hundt, so nit 2-3 Tag Mangelleyden khündten, einander selbst verzehren, oder ausgelassen, auch die Fasanen abgeschlagen werden müßten". Als Konsequenz dieses Notstandes wurde verordnet, daß in Hinkunft Futtermittel für ein Jahr sicherzustellen seien. Nach den Verwüstungen im Jahr 1683 wurde der Rüdenhof wiederhergestellt. Unter Karl Vl. waren die Hunde teils im Rüdenhaus, teils bei Wiener Fleischhauern und Flecksiedern untergebracht, aber auch in einigen niederösterreichischen Klöstern (Lilienfeld, Klosterneuburg, Göttweig, Melk, Zwettl). Erst unter Maria Theresia waren die Klöster ab 1743 von dieser Pflicht befreit. 1770 wurde das Erdberger Rüdenhaus aufgelöst. 1772 kaufte die Gemeinde Erdberg die Liegenschaft und überließ sie der Gärtner-Kommunität. 1872 wurde der Gebäudekomplex demoliert. 1690 entstand unter den Weißgerbern ein zweites Rüdenhaus zur Aufzucht und Dressur junger Hunde, das unter Maria Theresia auf die Laimgrube verlegt wurde.


Renata Kassal-Mikula


Literatur: Oskar Frhr. von MITIS, Jagd und Schützen am Hofe Karls VI. (Wien 1912).
Wilhelm KISCH, Die alten Strassen und Plaetze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Haeuser. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Wiens mit Rücksicht auf vaterländische Kunst, Architektur, Musik und Literatur, Bd. 1 (Wien 1888), S. 521 f.
Richard GRONER, Wien wie es war. Ein Auskunftsbuch über Alt-Wiener Baulichkeite, Hausschilder, Plätze und Straßen, sowie über allerlei sonst Wissenswertes aus der Vergangenheit der Stadt (Wien ²1922), S. 396.
Hans Pemmer, Zur Topographie in Erdberg. In: Jahrbuch des Vereines für die Geschichte der Stadt Wien 11 (1954), S. 37f.
Felix CZEIKE, Richard GRONER, Das große Groner Wien Lexikon (Wien 1974).