Kaiser Ferdinand II. mit Jagdhund, 1627

Kaiser Ferdinand II. mit Jagdhund, 1627

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 9.1, S. 131.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 51.896
Kaiser Ferdinand II. mit Jagdhund, 1627

© Historisches Museum der Stadt Wien


Caspar Della (Benediktbeuren um 1583 - 1661 Wien)
Öl auf Leinwand, 212 x 126
Farbtafel

"Aus welcher Ursache und aus welchen Gründen Ferdinands II. kaiserliche Majestät von Anfang seiner Herrschaft an bis in die jetzige Zeit seinen Sitz in der Stadt Wien behielt ...Und zwar wegen der bequemen Lage und Lieblichkeit der Stadt, wegen der Menge des Getreides und alles dessen was der Mensch benötigt und vor allem wegen der nahe gelegenen Haine und Wälder, die zur Ausübung der Jagd besonders geeignet sind und wegen anderer reizend gelegener Orte, wie: Brater / Begelhoff / Neugebew / Caterburg / Ebersdorff / Laxenburg / WoIkersdorff / Orth / Closter Neuburg / oder Monasterium Neuburgicum / Neustadt / das ist Neapolis etc..." heißt es im Status Particularis, einem Vorläufer des späteren Staatshandbuches. "... hat also weyland Kayser Ferdinandus II. Lobwürdigster und seligster Gedächtnus, recht gesagt: Er würde in dreyen Sachen nicht überdrüssig: des Gebets in der Kirche, der Berathschlagung in der Regierung, und der Jagten in den Wäldern", bemerkt Wolf von Hohberg über den ersten Kaiser aus der steirisch-innerösterreichischen Linie des Hauses Habsburg, der, wie es in der obigen Publikation aus der Zeit heißt, vom Anfang seiner Herrschaft an bis in die jetzige Zeit seinen Sitz in der Stadt Wien nicht wechselte, unter anderem weil die umliegenden Wälder besonders zur Jagd geeignet waren. Ferdinand II. (Graz 1578-1637 Wien, Kaiser seit 1619) soll, wie schon vor ihm Kaiser Maximilian I., so berichtet sein Beichtvater, bei den fast täglichen Jagden die Klagen der Bauern angehört, Wildschäden vergütet und durch Wildschweine Verletzte von seinen Wundärzten versorgen haben lassen. Seine Jagdgebiete waren fast ausschließlich die Reviere um Wien, wie es aus seinen im Haus-Hof- und Staatsarchiv und in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrten Schreibkalendern, in die er penibel alle seine Jagden eingetragen hat, hervorgeht. Das Porträt zeigt den Kaiser sowohl als Jäger mit einem schweren Hatzhund mit Prunkhalsung mit Metallbeschlägen und umgehängtem Jagddegen als auch als Herrscher - auf einem Tischchen neben ihm liegt die rudolphinische Krone. Dieser Porträttypus entwickelte sich im 16. Jahrhundert und scheint seiner Herkunft nach aus dem deutschen Kunstkreis um Lukas Cranach den Älteren zu kommen (Bildnis Herzog Heinrichs des Frommen und seiner Frau Katharina mit Hund, 1514, Dresden, Gemäldegalerie). Ein bekanntes österreichisches Beispiel ist Jakob Seiseneggers Porträt Kaiser Karls V. von 1532 im Kunsthistorischen Museum, Wien. Der aus Bayern stammende Maler Caspar Della ist seit 1616 in Wien nachweisbar, da er in diesem Jahr heiratete. 1617 erhielt er das Bürgerrecht. Als Hof- und Kammermaler kam er vielfältig zum Einsatz, u. a. bei Trauergerüsten für zwei Kaiserinnen. Das Porträt Kaiser Ferdinands II. ist seine einzige noch nachweisbare Arbeit. Die ersten Nachrichten über den Bestand von Kaiserporträts in der inneren Ratsstube des (Alten) Rathauses in der Wipplingerstraße beginnen im 17. Jahrhundert: "Ihrer Khay. Mayt. unserns allergnedigsten Herrn (Ferdinand II.) contrevey ganzer Pilnus statur oder Leng von Ohellfarben sauber gemahlet." Die Reihenfolge des gegenwärtigen (im Historischen Museum aufbewahrten) Bestands von lebensgroßen Kaiserbildern beginnt mit Kaiser Karl v. Frühere Fürstenporträts schmückten schon im Mittelalter Innenräume des Rathauses. Nach dem Porträt Kaiser Ferdinands II. folgten von der Hand anderer Maler weitere, lebensgroße Kaiserbildnisse für die innere Ratsstube. Während die Quellen über die älteren Bilder lückenhaft sind, ist die Porträtserie, die mit Kaiser Leopold I. beginnt und beim 1851 gemalten Porträt Kaiser Franz Josephs I. endet, besser dokumentiert. Zu dieser Folge gehört auch das Prunkbild Maria Theresias in der Schausammlung des Museums) von Martin van Meytens. Hinter der Entstehung dieser kaiserlichen Porträts stand die Idee von der optischen Präsenz des jeweiligen Landesherren am Sitz der städtischen Verwaltung, denn Bürgermeister und Innerer Stadtrat waren eine landesfürstliche Behörde, die ihre Tätigkeit im Sinne der landesfürstlichen Weisungen auszuüben hatten. Das Besondere am Bild Kaiser Ferdinands II. ist, daß neben der Krone als Insignie der Macht und der Präsentation des Kaisers im Staatskleid durch den Jagdhund ein privater Aspekt einfließt, obwohl es sich um ein offizielles "Amtsbild" handelt. Die erste Restaurierung des Ferdinandbildes fand schon 1714 durch Franz Christian Rausch statt. 1851 bis 1853 wurden alle Kaiserbilder einer generellen Restaurierung durch Franz Ampichl unterzogen. Seit der großflächigen Abdeckung der Übermalungen in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts befindet sich das Bild in einem sehr schlechten Zustand. Bestimmte Teile (Beine, Hut, Krone) sind nur mehr in Umrissen vorhanden. Für die Jagd-Ausstellung wurde das Bild konserviert und optisch in einen präsentablen Zustand gebracht.


Elisabeth Graff, Renata Kassal-Mikula, Selma Krasa


Literatur: Status particularis regiminis S. Caesareae Majestatis Ferdinandi II. (Leiden 1637).
Wolf von HOHBERG, Adeliges Landleben, Bd. 2 (1682), S. 388.
Friedrich von HURTER, Jagdlust Kaiser Ferdinands des Zweiten. In: Jagd-Zeitung 5 (1862), S. 453-459.
Karl WIEß, Festschrift aus Anlaß der Vollendung des neuen Rathauses. Im Auftrag des Gemeinderathes der Reichshaupt- u. Residenzstadt Wien (Wien 1883), S. 19.
Ernst Ritter von SULZBECK, Jägerei und Falknerei am ah. österreichischen Kaiserhofe 1493-1889 (Wien 1890), S. 24-28;
THIEME-BECKER, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 9 (Leipzig 1913).
Kurt LÖCHER, Jakob Seisenegger (phil. Diss. Freiburg/Breisgau, 1960).