Hirschhetze, 1710

Hirschhetze, 1710

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 7.5, S. 96.

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Leihgeber: Schwarzenbergische Inventarverwaltung (Murau, Steiermark), 612
Hirschhetze, 1710

© Schwarzenbergische Inventarverwaltung


Johann Georg de Hamilton (Brüssel 1672 - 1737 Wien)
Öl auf Leinwand, 325 x 240 cm
Signiert und datiert links unten: J. G. v. Hamilton/1710
Farbtafel

Das Bild gehört zu einer Serie von großformatigen Ölbildern, die die "chiens courrants", die Hundemeute von Oberststallmeister Adam Franz Fürst zu Schwarzenberg (er wurde 1732 auf einer Jagd in Böhmen von Kaiser Karl VI. irrtümlich erschossen), bei der jagdlichen Arbeit zeigen sollte. Der niederländische Künstler, der zuerst am kurbrandenburgischen Hof gearbeitet hatte, war Ende des 17. Jahrhunderts nach Wien gekommen und bekam hier sofort zahlreiche Aufträge, da die Nachfrage nach solchen Jagdstücken in niederländischer Manier offensichtlich sehr groß war. Er wurde auch sogleich von Fürst Schwarzenberg beschäftigt und trat 1710 kontraktmäßig in seine Dienste. Zu den ersten Arbeiten für seinen neuen Herren gehörten die 10 Darstellungen, von denen die Hirschjagd eine ist. Daneben gibt es eine Rehbockhetze, eine Fuchshetze, eine Wolfshetze, eine Sauhetze, eine Dambockhetze, eine Stierhetze, eine Bärenhetze, eine Luchshetze und eine Leopardenhetze. Die Bilder, alle im gleichen Format, waren ursprünglich für das Jagdschloß Ohrad bestimmt. Im ganzen hat Hamilton 68 Bilder für den Fürsten Schwarzenberg gemalt. Da auch Kaiser Karl VI. von ihm Jagdstücke haben wollte, trat er 1718 dann in kaiserliche Dienste, obwohl er damals schon, wohl wegen Überarbeitung, nicht mehr gesund war. Das kompositionelle Schema aller 10 Darstellungen ist gleich, es handelt sich dabei nicht um eine der üblichen höfischer Jagdszenen, sondern eigentlich um eine Tierkampfszene, in der Art, wie sie in der Rubenswerkstatt ausgebildet worden war. Es gibt zum Beispiel von Paul de Vos eine ganz ähnlich komponierte Hirschhetze, die vor kurzem im Kunsthandel war. Der Bildtypus wird, ziemlich unverändert, dann noch bis ins 18. und 19. Jahrhundert weiter tradiert. Schon Ucello schuf Tierkämpfe für den Palazzo Medici (Vasari). In der Kunsttheorie der italienischen Renaissance, in Lomazzos "Trattato dell'Arte della pittura", der in Mailand 1584 herauskam, wird auch über tierische Emotionen, die den menschlichen vergleichbar sind und ihre Bedeutung in der Kunst gesprochen. Die Analogie zwischen Schlachtenbildern und Tierkämpfen ist damit vorgegeben. In den Tierkämpfen bei Rubens fällt vor allem der kompositionelle Zusammenhang mit Leonardo da Vincis Darstellung der Schlacht von Anghiari auf, die er kopiert hat. Wir haben hier die Konzentration auf wenige Hauptpersonen anstelle eines vielfigurigen Schlachtgetümmels in einer symmetrischen, übersichtlichen Anordnung. Der strengen Komposition steht die durch die Heftigkeit der Bewegung und Gestik mit aufgerissenen Mündern ausgedrückte gesteigerte Emotion gegenüber. Alle diese Prinzipien werden in die Tierkampfszenen übernommen und auch von den folgenden Künstlergenerationen als Grundschema weiter verwendet. Auch das vorliegende Bild Hamiltons ist ein charakteristisches Beispiel dafür.


Selma Krasa


Literatur: C. SCHELLEIN, Johann Georg von Hamilton, geboren zu Brüssel 1672 gestorben zu Wien am 2. Jänner 1737 und sein Wirken im fürstlich Schwarzenbergschen Hause. In: Berichte und Mitteilungen des Alterthums-Vereines zu Wien XXIV (1887), S. 205-208.
Christian-Adolf ISERMEYER, Peter Paul Rubens (= Die Jagd in der Kunst, Hamburg, Berlin 1965).
Arnout BALIS, Landscapes and hunting scenes II. Hunting Scenes (= Corpus Rubenianum Ludwig Burchard : an illustrated catalogue raisonné of the work of Peter Paul Rubens based on the material assembled by the late Ludwig Burchard, Bd. 18, New York 1986).