"Erinnerung" (Wolfgang Anton Reichsritter von Manner),1905

"Erinnerung" (Wolfgang Anton Reichsritter von Manner),1905

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 5.6, S. 88.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 44.512

© Historisches Museum der Stadt Wien


Hans Temple (Littau/Mähren 1857 - 1931 Wien)
Öl auf Holz, 100 x 73,5 cm
Signiert und datiert links unten: Temple / 905 Plakette mit Versen: "Wenn die Erinn'rung mich umwebt. / Dann bin ich frohzufrieden; / Herr Gott hab Dank! es war doch schön / in Deinem Reich hienieden. - Und rufst Du mich zur letzten Birsch / Durch Jägermeister Hein / Dann ziehe ich voll Dankbarkeit / zum ew'gen Lenze ein." (Legende aus H. Findeisen: "Lieder eines alten Jägers")
Klebezettel mit dem Mannerschen Wappen und Inschrift auf der Rückseite: Wolfgang Anton von Manner des heiligen röm. Reiches Ritter. - Kunst-Sammlung Inv. Nr. 214 / Hans Temple -Wien. "Erinnerung", Interieur Portrait.

Temple porträtierte Ritter von Manner, sitzend, ein Bildchen in beiden Händen haltend. Der Raum, der auch den Blick in ein zweites Zimmer freigibt, blieb vom neuen Interieurstil von 1900 unberührt. Es herrscht der "horror vacui" der Makartzeit. Im besonderen Fall sind dies Erinnerungsstücke an die Jagd, eine Hirschtrophäe hängt über dem Türstock die aufgereihten Gamskrickeln schmücken die Rückwand, an der ein Bild in der Art hängt, wie sie Franz von Pausinger malte, die auf "natürlichen" Versatzstücken angebrachten Stopfpräparate dreier Greifvögel vollenden das malerische Ambiente. Alle jagdlichen Versatzstücke verweisen auf Manner als einen Jäger, der bei der Gebirgsjagd erfolgreich war. Der in die Weite gerichtete Blick des älteren Herrn und die Verse aus Findeisens "Lieder eines alten Jägers" vermitteln, daß der Auftrag an den Maler dahinging, eine bestimmte Gemütsverfassung wiederzugeben: den Rückblick eines Mannes, der eine Lebensphase abschloß. Manner betätigte sich nicht nur als Weidmann, sondern war auch Sammler zeitgenössischer österreichischer und deutscher (Münchner) Maler. Sein Interesse galt natürlich auch dem Jagdgenre. Einige seiner Bilder schenkte er bereits 1904-1907 der Österreichischen Staatsgalerie. Andere Teile seines Kunstbesitzes vermachte er der Stadt Wien mit dem Wunsch, ihn dem Historischen Museum einzuverleiben, darunter Werke von Daffinger, Schrotzberg, Theer, Hlavacek, Wisinger-Florian, Engelhart, Schönn, Russ, Selleny, Strasser u. a. (Inventargruppe 44.488-44.520). Die Stadt Wien erhielt für Schulzwecke auch eine umfangreiche Trophäensammlung vermacht. Der Erlös aus dem Verkauf aller übrigen Bilder und Möbel, sie kamen 1924 im Wiener Dorotheum zur Versteigerung, floß in eine, nach Manner benannte, Armenstiftung.


Renata Kassal-Mikula


Literatur: 33. Jahresausstellung des Wiener Künstlerhauses 1906, Nr. 169 ("Erinnerung")
352. Kunstauktion, Gemäldesammlung Wolf Anton Reichsritter von Manner Dorotheum Wien, 12. und 13. Mai 1924.