Hirschjagd, um 1660

Hirschjagd, um 1660

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 4.1, S. 85.

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Leihgeber: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck, Tirol), Legat Tschager, 835
Hirschjagd, um 1660

© Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck


Karl Andreas Ruthart (Danzig 1630? - um 1703)
Öl auf Leinwand, 5 x 75 cm
Farbtafel

In einer bergigen, wildnisartigen Landschaft fangen Hatzhunde einen starken Hirsch, während in einem Bachlauf ein schwächerer Hirsch von den Hunden noch verfolgt wird. Ein berittener, das Jagdhorn blasender Jäger folgt den Tieren. Im Gegensatz zu den Meutehunden, die bei der Parforcejagd den Hirsch ermüden und ihn zwingen, sich zu stellen, holen die Hatzhunde das flüchtige Wild ein und halten es fest, bis die Jäger nachkommen und es töten. In der Entwicklungsreihe der Jagdkunst steht Ruthart für eine besonders gekonnte Wiedergabe von wildbewegten Tiergruppen. Die Hetzjagd auf den Hirsch wurde von ihm oft wiederholt, da sie seinen künstlerischen Intentionen am nächsten kam.
Rutharts Lebensweg liegt teilweise im Dunkeln. Nachweislich war er 1663/64 in Antwerpen. Der Statthalter der Niederlande, Erzherzog Leopold Wilhelm, erwarb drei Bilder, darunter eine Hirschjagd (Kunsthistorisches Museum). 1665 und 1667 ist ein Aufenthalt in Wien beglaubigt, da Fürst Karl Eusebius von Liechtenstein zwei Bilder Rutharts bezahlte. Sein weiterer Weg führte über Venedig nach Rom, wo er Laienbruder im Zölestinerorden wurde. Die Frage des Zeitpunktes seines Todes blieb bis jetzt ungeklärt. Die meisten seiner nachweisbaren Bilder, so Frimmel, befanden sich in alten Wiener Sammlungen und in österreichischem Besitz, was auf eine längere Schaffensperiode in Wien schließen läßt. Insgesamt war Ruthart ein furchtbarer Maler. Die Stärke seiner Kunst lag in der Landschafts- und bewegten Tierdarstellung, die ihn, wie Fyt, Snyders und Paul de Vos u.a. zu einem der wichtigsten Vertreter der Malerei des 17. Jahrhunderts in diesem Genre machen.


Renata Kassal-Mikula, Hermann Prossinagg


Literatur: Studien und Skizzen zur Gemäldekunde, Band 4. Hrsg. von Theodor FRIMMEL (Wien 1918/19), S. 1ff.
Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 29 (Leipzig 1935/36).