Die Drei-Kaiser-Zusammenkunft in Skierniewice: Die Jagd am 16. September 1884

Die Drei-Kaiser-Zusammenkunft in Skierniewice: Die Jagd am 16. September 1884

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 3.18, S. 63.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 51.125/37
Die Drei-Kaiser-Zusammenkunft in Skierniewice: Die Jagd am 16. September 1884

© Historisches Museum der Stadt Wien


Zeitungsholzstich, 22,3 x 34,5 cm

Die Zusammenkunft von Kaiser Franz Joseph I., Kaiser Wilhelm I. und dem Zaren Alexander III. vom 15. bis zum 17. September 1884 auf einem Jagdschloß in Skierniewice in Russisch-Polen, begleitet von ihren Außenministern, diente der Erneuerung des "Dreikaiserbündnisses" von 1881. Vor allem in bezug auf die politische Situation auf dem Balkan war ein entspanntes Verhältnis von Österreich und Deutschland zu Rußland wichtig. Symbolisiert wurde unter anderem die erwünschte Annäherung unter den Nationen während des Treffens durch ein russisches Ballett, das Walzer, Mazurka und Csardas tanzte. Demselben Zweck diente auch die am letzten Tag angesetzte Jagd auf Rot- und Damwild. Der Eingang zum Wildpark war in eine Ehrenpforte umgewandelt worden. Zu sehen ist die Besichtigung der Strecke durch den Zaren und Kaiser Franz Joseph I., während der greise deutsche Kaiser, am Wagenschlag stehend, der Zarin Maria über den Ausgang der Jagd berichtet. Auch im kommenden Jahr kam es in Kremsier zum Zusammentreffen zwischen Zar und österreichischem Kaiser. Man machte sich trotzdem nicht zuviel Illusionen über das Verhältnis zu Rußland. "Die Tage von Skierniewice haben uns nichts genützt; denn mit Rußland giebt es keine ehrliche Freundschaft, nicht einmal eine halbwegs dauerhafte Verständigung, solange wir auf Theile der Balkanhalbinsel Aspirationen hegen, Provinzen derselben besetzt halten und für unsere Zukunft eine Machtsphäre im Oriente anstreben ...", notierte Kronprinz Rudolf. Der Berichterstatter der Begegnung von Skierniewice in der Zeitschrift "Über Land und Meer" sah das Ereignis mit anderen Augen: "Die Zukunft wird die Begegnung von Skierniewice als ein historisches Faktum von unberechenbar segensreicher Tragweite verzeichnen, als ein Friedensbündnis der Herrscher zum Heile und zur Wohlfahrt der Völker."


Selma Krasa


Literatur: Über Land und Meer 3 (1885), S. 54, S. 97.
Franz HERRE, Kaiser Franz Joseph von Österreich. Sein Leben, seine Zeit. (München 1978), S. 302.
Brigitte HAMANN, Rudolf Kronprinz und Rebell (Wien, München 1978), S. 296.