Eine Wasserjagd des Schah von Persien Našir-ed-Din, 1873

Eine Wasserjagd des Schah von Persien Našir-ed-Din, 1873

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 3.17, S. 62.

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Leihgeber: Kultur- und Museumsverein Laxenburg (Niederösterreich)
Eine Wasserjagd des Schah von Persien Našir-ed-Din, 1873

© Kultur- und Museumsverein Laxenburg


Franz Kollarž (Novislovnik 1825 - 1894 Maria Lanzendorf) nach Vinzenz Katzler (Wien 1823 - 1882 Wien)
Zeitungsholzstich, 27 x 37,2 cm, koloriert
Abbildung S. 1000 aus: Über Land und Meer, Band 30/1873, Nr. 51
Aufschrift: Der Schah von Persien auf dem Parkteich des Lustschlosses Laxenburg bei Wien Wildgänse jagend. Abbildung S. 1000 aus: Über Land und Meer, Band 30/1873, Nr. 51. Aufschrift: Der Schah von Persien auf dem Parkteich des Lustschlosses Laxenburg bei Wien Wildgänse jagend

1873 unternahm Schah Našir-ed-Din von Persien seine erste Reise nach Europa, die ihn über Moskau, St. Petersburg, Berlin, London, Paris, die Schweiz und Oberitalien am 29. Juli auch nach Wien führte, wo in diesem Jahr die Weltausstellung stattfand, auf der auch Persien mit einem eigenen Pavillon vertreten war. Zweck der Reise war vor allem die Anknüpfung und Vertiefung diplomatischer Beziehungen und wirtschaftlicher Kontakte, die zu einer Modernisierung des Landes führen sollten. Die Lage Persiens als Pufferstaat zwischen der Kolonialmacht England und dem nach Mittelasien expandierenden Rußland war in der Mitte des vorigen Jahrhunderts alles andere als günstig. In den Reformideen des Schah spielte daher Österreich als am politischen Geschehen des Mittleren Ostens unbeteiligte Macht eine große Rolle. Našir-ed-Din und Kaiser Franz Joseph I. waren gleich alt und in demselben Jahr zur Regierung gelangt. Zum ersten Mal bereiste ein persischer Herrscher Europa, und das Aufeinanderprallen zweier so unterschiedlicher Kulturkreise führte auch immer wieder zu Mißverständnissen, und die in Folge an den europäischen Höfen kursierenden Anekdoten werden der Person von Schah Našir-ed-Din wohl kaum gerecht. In Wien fühlte er sich vergleichsweise wohl, da ihm Schloß Laxenburg weitab vom Lärm der Großstadt als Aufenthaltsort zugewiesen worden war: "Ich bin dem Kaiser von Österreich zu aufrichtigem Dank verpflichtet, daß er mich hierher ins Grüne geschickt hat, abseits von der unersättlichen Neugier und dem lärmenden Getöse der Riesenstadt, die sich wie Paris weit und breit ausdehnt", schreibt er in seinem Reisetagebuch. In Laxenburg gibt es: "ehrwürdige alte Bäume in langen Reihen, die man durchschreitet und aus denen die Vogelwelt vielstimmig grüßt, die weite Decke eines gepflegten Rasens spiegelt blanke Wasserflächen, auf denen sich Enten und Schwäne tummeln - ich schon mehrfach darauf mit einem Boot umhergefahren." Bei dieser Gelegenheit bekam er Lust auf eine Vogeljagd. "Seinem Auge entging nicht, daß die Züge der Völgel, welche entweder nach den ungarischen Ebenen und dem Orient wollen, oder aus demselben in das kühlere Hochland fliehen, über den Park und somit auch über den See streichen. Er ließ sich einmal ganz unvermuteter Weise seine Gewehre holen und veranstaltete eine improvisierte Jagd auf Wildgänse und Wildenten. Der Versuch glückte sehr und der Schah war mit seinen Erfolgen sehr zufrieden. Es braucht auch nur eine Schar von Treibern, um sicherlich aus dem Laxenburger Parke Schaaren von Wildvögeln aufzustöbern ..." heißt es dazu in der Zeitschrift" Über Land und Meer". Weniger erfolgreich war Našir-ed-Din bei einer offiziellen Jagd, die Kaiser Franz Joseph I. zu seinen Ehren im Lainzer Tiergarten am 4. August veranstaltete. Er traf nur einen Hasen. Seine Verwunderung galt der einfachen Kleidung, die der Kaiser und sein Gefolge bei der Jagd trugen. Er selbst und sein Hofstaat waren, wie im Orient üblich, wo es sich dabei um eine Staats- und nicht um eine Privatangelegenheit handelte, äußerst prunkvoll gekleidet erschienen. Auch bei der Laxenburger Entenjagd war man offiziell gekleidet, wie der Holzstich zeigt, obwohl es sich dabei um eine rein private Unternehmung, ohne Publikum, handelte. 1874 nach seiner Rückkehr suchte der Schah um zwei österreichische Beamte zur Organisation des persischen Münz- und Postwesens an, und nach der 2. Europareise 1878 kam eine österreichische Militärdelegation ins Land, die sich durch Reorganisation und Schulung der Truppen Verdienste um die persische Armee erwarb. Auf die Dauer hatten aber die Modernisierungsversuche des Schah keinen Erfolg.


Selma Krasa


Literatur: Über Land und Meer 30 (1873).
Ein Harem in Bismarcks Reich. Das ergötzliche Reisetagebuch des Nasireddin Schah. Hrsg. von Hans Leicht (Tübingen, Basel 1969), besonders S. 257 u. S. 272.
Karlheinz ROSCHITZ, Wiener Weltausstellung 1873 (Wien, München 1989), S. 120-123.
Karl KADLETZ, Reformwünsche und Reformwirklichkeit. Modernisierungsversuche Persiens mit österreichsicher Hilfe von Našir ed-Din Šah. In: Europäisierung der Erde? Studien zur Einwirkung Europas auf die außereuropäische Welt. Hrsg. von Grete Klingenstein, Heinrich Lutz und Gerald Stourzh (= Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit 7, Wien 1980), S. 147-173.