Aufnahme Dianas in den Olymp, um 1732

Aufnahme Dianas in den Olymp, um 1732

In: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch. Katalog der Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten vom 28. März 1996 bis 16. Februar 1997. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 209. – Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1996. 356. 8°. Objekt-Nr.: 2.1, S. 25.

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Leihgeber: Österreichische Galerie Belvedere (Wien), 4178
Aufnahme Dianas in den Olymp, um 1732

© Österreichische Galerie Belvedere, Wien


Daniel Gran (Wein 1694 - 1757 St. Pölten)
Öl auf Leinwand, 76 x 100 cm
Farbtafel

Entwurf für das signierte und datierte Deckenbild des Jagdschlosses Eckartsau im Marchfeld. In der Mitte des Bildfeldes ein goldener Wagen beleuchtet von Sonne und Mond, davor lagern die Götter auf Wolken; rechts Jupiter, Juno, Ganymed und Minerva, links Herkules und Hebe. Von dieser Seite kommt auch Apoll, der seine Schwester Diana dem Götterkönig zuführt. Im Vordergrund schwebt Fama und weist Chronos als Symbol der Vergänglichkeit des Ruhmes aus dem Bild. Hinter Diana Nymphen und Putten mit Jagdhörnern. In den Randszenen herrschen die jagdlichen Bezüge vor, darunter als zentrales Thema die Opferung eines Rehbockes anstelle von Iphigenie durch einen Priester und Assistenten. Die den Wagen umgebenden Tierkreiszeichen spielen auf das Jagdjahr an: die Zwillinge stehen für Fuchsprellen und Reiherbeize im Frühjahr, der Löwe für die sommerliche Hirschjagd, Waage und Schütze für die Saujagden im Herbst und Winter. Die Waage könnte auch auf den Geburtstag von Karl VI. anspielen (1. Oktober 1685) und die Betonung von Apoll im Hauptfeld des Freskos auch ein Hinweis auf den Kaiser sein, der mehrfach auf Fresken dieser Zeit in Gestalt des Apollo erscheint. Diese Apollosymbolik, die ganz allgemein zum Repertoire der kaiserlichen Allegorik gehört, betont, hier auf Karl VI. bezogen (Apollo als Bogenschütze), die Jagdleidenschaft des Kaisers. Eckartsau war 1720 von Franz Ferdinand Graf Kinsky, böhmischer oberster Kanzler, erworben und von ihm neu gestaltet worden. Auf der Rückreise des Kaisers von der böhmischen Königskrönung, 1723, hatte Kinsky für ihn in Chlumetz eine Jagd ausgerichtet. Nach Schuster ist der ganze Bau von Eckartsau - am Dreiecksgiebel des Mittelrisalits ist (in der Art eines antiken Tempels) Diana, die über einen am Boden liegenden Hirsch (Aktäon) triumphiert, dargestellt - als Tempel der Diana gedacht. Diese Deutung entspricht der Auffassung des 18. Jahrhunderts, in dem Diana über ihre rein jagdlichen Bezüge hinaus eine tiefere Sinngebung unter anderem durch ihre Doppelbedeutung als Luna und so als Gegenüber ihres Bruders Phöbus Apoll als Gottheit des Lichtes und des Tages erhält. Stilistisch ist das Gemälde von der neapolitanischen Schule (Solimena) und der venezianischen Malerei (Sebastiano Ricci) beeinflußt und zeigt Gran auf dem Höhepunkt seines Schaffens.


Selma Krasa


Literatur: Elfriede BAUM, Katalog des Österreichischen Barockmuseums im Unteren Belvedere in Wien, 2 Bde. (Wien, München 1980), S. 199 f., Kat. Nr. 110.
Rainer SCHUSTER, Diana triumphans. Anmerkungen zur Barockisierung des Schlosses Eckartsau im Marchfeld unter Franz Ferdinand Graf Kinsky. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege XLVII (1993), H. 1/2, S. 52-65.