Hasenhaus, 2 Wandtafeln

In: alles jagd...eine kulturgeschichte. Kärntner Landesausstellung im Schloß Ferlach vom 26. April bis 26. Oktober 1997. Katalogbuch. Herausgegeben vom Land Kärnten. Kärntner Landesausstellung unter Leitung von Günther Hödl und Hartwig Pucker. Redigiert von Gabriele Guntsche-Liessmann und Daniela Schurian. – Klagenfurt: Kärntner Landesausstellungsbüro 1997. XVI, 700. 4°. Objekt-Nr.: R 29.4, S. 659.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 31.262
Hasenhaus, 2 Wandtafeln

© Historisches Museum der Stadt Wien


Salomon Kleiner (1700-1761); Wien; 1749
Aquarell, Deckfarben; Höhe 60 cm, Breite 82 cm

Das Haus (ehemals 1., Kärntnerstraße 8 und 10), wie es Salomon Kleiner 1749 kurz vor der Demolierung darstellte, entstand im wesentlichen nach dem großen Stadtbrand von 1525. Kaiser Ferdinand I. übergab das vom Brand beschädigte Haus dem Vizehofkanzler Leonhard von Harrach eigentümlich und erblich. Dieser baute es im Stil der Renaissance nach Vorbild der prächtig ausgestatteten, süddeutschen Häuser wieder auf. Besonders auffällig waren der polygonale Erker in der Torachse und die vielen Fenster. Die ganze Fassade war vollständig mit Fresken bedeckt. Der Grund für die Bemalung geht in die Zeit von Kaiser Maximilian I. zurück. Damals war das Haus im Besitz seines Kanzlers Hanns Waldner. Des Hochverrats (Majestätsverbrechen) bezichtigt, verübte er 1502 Selbstmord. Das Haus wurde als landesfürstlicher Besitz eingezogen. 1509 bestimmt Kaiser Maximilian I., zu Antwerpen, Friedrich Jäger zum landesfürstlichen Hasenbannmeister zu Wien ("Haspelmeister"). Dem Amt oblagen alle Belange der Niederjagd auf Hasen in den Feldern um Wien wie Netze, Windhunde, Beizvögel etc. Das nur kurz in dieser Form existierende Haspel-Amt wurde im Hintertrakt (gegen die Seilergasse) eingerichtet, der Vordertrakt (gegen die Kärntnerstraße) mußte als kaiserliches Absteigequartier freigehalten werden. Zugleich mit dem Bestellungsdekret an Jäger erging der kaiserliche Auftrag, "er solle auch in dasselb haus artig malen lassen, nemblich jäger, pawrn, hasen, hunt und ander tier, so Fridrich Jäger obgemelt zu verwaren hat, auch ein panker von hasen und hunden die miteinander tanzen, singen und ander spill treiben, und daz sie die fuchs und luchs todten, zerschratten, praten und in ander weg kochen und verpanketieren, und ein pheifer dabei der inen zu tanz spiell, damit des Waldners namen durch solh seltzman gemäll vergessen und furan daz Hasplhaus genannt werde". So entstand, von einem unbekannt gebliebenen Künstler, der Triumph der Hasen über ihre Todfeinde: Jäger, Hunde, Geier, Falken, Habichte, Raben usw. Ab 1592 besaß Christof Wolf, äußerer Rat und städtischer Unterkämmerer, das Haus. Nach Karl Eduard Schimmer soll es erst Wolf gewesen sein, der um 1600, an den volkstümlichen Namen des Hauses anknüpfend, die Fassade mit den Jagdszenen bemalen ließ. Um 1749 wurde das Hasenhaus versteigert und dann abgebrochen. Als einzige Ansicht verblieb die Zeichnung von Salomon Kleiner, der 32 Szenen nummerierte. Die dazugehörige, ausführliche nach den Szenen nummerierte Beschreibung ist daher wohl auch von Salomon Kleiner. Zeichnung und Beschreibung befanden sich 1826 gemeinsam in Privatbesitz des Eigentümers des Nachfolgebaus des Hasenhauses. Diese Beschreibung druckte 1826 Joseph Freiherr von Hormayr in seinem "Archiv für Geschichte..." ab. Innerhalb des Textes herrscht immer wieder Ratlosigkeit über die Interpretation der einzelnen Szenen, ein Hinweis, daß schon im 18. Jahrhundert das Wissen darüber teilweise verlorengegangen war. Dargestellt ist hier Szene Nr. 25: "Der Hasenkönig zu Pferd sitzend, reitet einen Jäger zu Boden, sehr viele andere Hasen aber seyn eines Jägers in kaiserlichen Lieberey größte Verfolger und dessen Tod, indem er wegen denen aufgespannten Netzen ihnen nicht auskommen kann."


Renata Kassal-Mikula


Zum Katalog: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch


Literatur: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte - eine Pirsch. Hermesvilla, Lainzer Tiergarten, 28. März 1996 bis 16. Februar 1997 (= Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien 209, Wien 1996), S. 127ff.
"Das Hasenhaus in der Kärnthnerstraße zu Wien, die Burg und der Todesort Mathias Corvins". In: Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst 17 (1826), S. 242ff.