"Das Nibelungenlied"

In: alles jagd...eine kulturgeschichte. Kärntner Landesausstellung im Schloß Ferlach vom 26. April bis 26. Oktober 1997. Katalogbuch. Herausgegeben vom Land Kärnten. Kärntner Landesausstellung unter Leitung von Günther Hödl und Hartwig Pucker. Redigiert von Gabriele Guntsche-Liessmann und Daniela Schurian. – Klagenfurt: Kärntner Landesausstellungsbüro 1997. XVI, 700. 4°. Objekt-Nr.: R 28.12, S. 646.

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© Fachlabor: Fayer Wien


Text und Photo aus der sogenannte Piaristen-Handschrift in der Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien

Die ganzseitige Miniatur zeigt die Ermordung Siegfrieds durch Hagen im Zuge der 16. Aventuire des Nibelungenliedes, in der sich anläßlich einer Jagd die ganze Überlegenheit Siegfrieds zum letzten Mal erweisen sollte. Von 89 Strophen dieses Kapitels sind allein 67 den Jagderlebnissen des Helden gewidmet.
Bei der die Jagd abschIießenden Mahlzeit sorgt Hagen, der den Mord an Siegfried im Einverständnis mit den burgundischen Königen plant, daß der Wein zur Mahlzeit fehlt und verweist den dürstenden Siegfried auf eine nahe Quelle. Den Wettlauf dorthin gewinnt Siegfried und beugt sich ahnungslos über das Wasser: Dâ der herre Sîfrit ob dem brunnen tranc, er schôz in durch das kriuze, daz von der wunden spranc daz bluot im von dem herzen vaste an die Hagenen wât (= Kleidung). Genau dieser Text wird durch die hier vorliegende Miniatur illustriert. Die sogenannte Piaristen-Handschrift in der Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (Wien), aus der dieses Photo stammt, ist eine der letzten handschriftlichen Überlieferungen dieser großen, um 1200 entstandenen Heldendichtung, die mit dem Ambraser Heldenbuch vom Beginn des 16. Jahrhunderts endet.


Günther Hödl


Zum Katalog: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch


Literatur: Das Niebelungenlied nach der Piaristenhandschrift. Hrsg. von Adelbert von Keller (= Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart 142, Tübingen 1879).
Nibelungenlied und Klage. Sage und Geschichte, Struktur und Gattung. Hrsg. von Fritz Peter Knapp (Heidelberg 1987).
Das Nibelungenlied. Nach der Ausgabe von Karl Bartsch hrsg. von Helmut de Boor (= Deutsche Klassiker des Mittelalters, Wiesbaden 21. Auflage 1979).