"Blaues Einhorn"

In: alles jagd...eine kulturgeschichte. Kärntner Landesausstellung im Schloß Ferlach vom 26. April bis 26. Oktober 1997. Katalogbuch. Herausgegeben vom Land Kärnten. Kärntner Landesausstellung unter Leitung von Günther Hödl und Hartwig Pucker. Redigiert von Gabriele Guntsche-Liessmann und Daniela Schurian. – Klagenfurt: Kärntner Landesausstellungsbüro 1997. XVI, 700. 4°. Objekt-Nr.: R 25.16, S. 633.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 117.461

© Museen der Stadt Wien


Anonym; Wien; 18. Jahrhundert
Sandstein, blau gefaßt, Vergoldung; Länge 95 cm, Breite 50 cm, Höhe 110 cm

Die Sage vom Fabeltier Einhorn hat ihre Wurzeln in der Antike. Bei Ktesias aus Knidos wird es um 398 v. Chr. als weiß und größer als ein Pferd beschrieben, mit einem spitzen Stirnhorn, das zufolge seiner Kräfte und der außergewöhnlichen Schnelligkeit vom Jäger nicht eingeholt werden könne. Schon bei den Griechen wurde dem Horn eine heilende und Übel abwehrende Wirkung zugeschrieben. Seit dem Mittelalter galt der Stoßzahn des Narwals als das Horn des Einhorns und als besonders wertvoll. Die Wiener Schatzkammer besitzt eines der größten erhaltenen Exemplare. Im Mittelalter hatte sich dazu die Vorstellung entwickelt, daß das scheue und schnelle Einhorn nur durch eine Jungfrau gefangen werden könne, da es während der Jagd in ihren Schoß flüchtet. Damit in Zusammenhang entstand die Legende von der mystischen Einhornjagd, die mit der Jungfräulichkeit Marias verbunden und bei der das Einhorn als Symbol Christi gesehen wurde. Auf den spätmittelalterlichen Darstellungen dieser Art ist Gabriel, der Engel der Verkündigung, der Jäger, begleitet von einer Hundemeute, die zumeist als Misericordia, Veritas, Justitia und Pax bezeichnet wird. In der volkstümlichen Kunst, wie in dem hier gezeigten Hauszeichen, lebt die Sage vom Einhorn weiter.


Renata Kassal-Mikula, Selma Krasa


Zum Katalog: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch


Literatur: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte - eine Pirsch. Hermesvilla, Lainzer Tiergarten, 28. März 1996 bis 16. Februar 1997 (= Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien 209, Wien 1996).
Gregor Martin LECHNER, Die mystische Einhorn - Jagd als Allegorie der Verkündigung. In: Jagd einst und jetzt. Niederösterreichische Landesausstellung im Schloß Marchegg (N.Ö.) vom 29. April bis 15. November 1979. Bearb. von Gerhard Winkler (= Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums NF 77, Wien 1978), S. 27ff.