Mystische Einhornjagd im Hortus Conclusus

In: alles jagd...eine kulturgeschichte. Kärntner Landesausstellung im Schloß Ferlach vom 26. April bis 26. Oktober 1997. Katalogbuch. Herausgegeben vom Land Kärnten. Kärntner Landesausstellung unter Leitung von Günther Hödl und Hartwig Pucker. Redigiert von Gabriele Guntsche-Liessmann und Daniela Schurian. – Klagenfurt: Kärntner Landesausstellungsbüro 1997. XVI, 700. 4°. Objekt-Nr.: R 25.15, S. 633.

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Leihgeber: Landesmuseum für Kärnten (Klagenfurt), K 74 und K 610
Mystische Einhornjagd im Hortus Conclusus

© Ulrich Peter Schwarz


St. Veiter Schnitzwerkstätte; um 1510
Lindenholzrelief; Höhe 151 cm, Breite 114 cm

Dieses älteste Kärntner Beispiel unter den zahlreichen allegorischen Darstellungen der mystischen Einhorn-Jagd im Südostalpenraum, ein leider stark fragmentierter Schnitzaltarschrein aus der Wallfahrtskirche von Maria Saal, gelangte bereits im Jahr 1851 in die Sammlungen des Klagenfurter Geschichtsvereins. Von der ehemals reichen Farbfassung des Reliefs haben sich nur geringe Reste in Bergblau, Grün, Rot und Gold erhalten. Zur Zeit der Aufklärung sind jene im Sinne der christlichen Heilslehre unverständlich gewordenen Teile der Schnitzerei, wie das Einhorn im Schoß Mariae, das Hifthorn und der Jagdspeer des Verkündigungsengels offensichtlich bewußt beseitigt worden. Der originale Rankenwerkrahmen und die mit
grüner Ornamentmalerei geschmückte Schreinrückwand gingen ebenfalls - allerdings erst im Zuge der Auslagerungen des Zweiten Weltkrieges im Museum - verloren. Nach Ausweis der Visitationsberichte war das Maria Saaler Einhornrelief wahrscheinlich ursprünglich Bestandteil des 1643 in die Sachsenkapelle übertragenen Kreuzaltares der Propsteipfarrkirche. Die geistesgeschichtlich interessante Abbildung des Hortus Conclusus, des geschlossenen Gartens, in dem Maria die Frohbotschaft der Verkündigung erfährt, gehört zu den beliebtesten Themen der abendländischen Mystik. Während der mystischen Einhornjagd treibt der Erzengel Gabriel als allegorischer Jäger Christus (= das Einhorn) seiner Mutter Maria zu und verkündet als Bote Gottvaters das Ave Maria. Die mariologisch-christologische Maria Saaler Einhornjagd findet in Kärnten zwei typologisch nahezu identische Entsprechungen an den etwas jüngeren Altarflügeln von Maria Gail bei Villach (um 1512) und in der Deutschordenskirche zu Friesach (um 1514-15).


Gregor Martin Lechner


Zum Katalog: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch


Literatur: Gregor Martin LECHNER, Die mystische Einhorn - Jagd als Allegorie der Verkündigung. In: Jagd einst und jetzt. Niederösterreichische Landesausstellung im Schloß Marchegg (N.Ö.) vom 29. April bis 15. November 1979. Bearb. von Gerhard Winkler (= Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums NF 77, Wien 1978), S. 27ff.
Otto DEMUS, Die spätgotischen Altäre Kärntens. Auf Grund von Vorarbeiten von Gertraud Müller-Gutenbrunn-Schimke und Elisabeth Herzig-Oberhaidacher. (= Aus Forschung und Kunst 25, Klagenfurt 1991), S. 106-114, 241, 269.