Teile eines französischen Tafelaufsatzes. Girandole, Spiegel und Obstschale

In: alles jagd...eine kulturgeschichte. Kärntner Landesausstellung im Schloß Ferlach vom 26. April bis 26. Oktober 1997. Katalogbuch. Herausgegeben vom Land Kärnten. Kärntner Landesausstellung unter Leitung von Günther Hödl und Hartwig Pucker. Redigiert von Gabriele Guntsche-Liessmann und Daniela Schurian. – Klagenfurt: Kärntner Landesausstellungsbüro 1997. XVI, 700. 4°. Objekt-Nr.: R 19.69, S. 572.

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Leihgeber: Museen des Mobiliendepots (Wien), Hofsilber- und Tafelkammer, 180.328
Teile eines französischen Tafelaufsatzes. Girandole, Spiegel und Obstschale

© Museen des Mobiliendepots, Wien


Auguste Breul; Paris; 1851
Glas, Bronze, vergoldet; Girandole: Höhe 95 cm, Durchmesser 80 cm (Inv.Nr. 180.438/004); Spiegelplateau: Höhe 25 cm, Länge 110 cm, Breite 70 cm (Inv.Nr. 180.438/001 ); Kompottschale: Höhe 10 cm, Durchmesser 30,5 cm (Inv.Nr. 180.438/017)

Im 18. Jahrhundert wurde es zur Mode, die Tafeln, vor allem bei offiziellen Anlässen, zusätzlich zu den kostbaren Speiseutensilien wie Terrinen, Anbietplatten, Gläsern, Tellern und Besteck, mit Figurengruppen zu schmücken. Girandolen, die aus praktischen Gründen vorhanden sein mußten, wurden in ein umfangreiches Dekorationsprogramm integriert. Um 1800 entwickelte der Pariser Bronzefabrikant Thomire den großen Tafelaufsatz aus vergoldeter Bronze. Spiegelplateaus vervielfältigten den Kerzenschein. Der hier in wenigen Teilen ausgestellte "Neufranzösische Tafelaufsatz" gehört zu den umfangreichsten seiner Zeit. Der berühmte Pariser Bronzefabrikant Auguste Breul bekam streng geheim vom Obersthofmeisteramt in Wien 1850 den Auftrag zu diesem Prunkaufsatz. Dieser 20.000-Gulden-Auftrag war eine der seltenen, nur der Repräsentation dienenden Ausgaben des Wiener Hofes unter Kaiser Franz Joseph I., der sonst sehr sparsam bei solchen Anlässen vorzugehen pflegte. Stilistisch ist der "Neufranzösische Tafelaufsatz" ein Musterbeispiel für das in dieser Zeit gerade modern gewordene Zweite Rokoko. Auf jedem Stück dieser Garnitur sind handwerklich äußerst aufwendig gestaltete jagdliche Szenen. Der Aufsatz war in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts der repräsentative Tafelschmuck bei allen großen Staatsempfängen.


P. P.


Zum Katalog: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch


Literatur: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte - eine Pirsch. Hermesvilla, Lainzer Tiergarten, 28. März 1996 bis 16. Februar 1997 (= Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien 209, Wien 1996), S. 254f.
Hubert WINKLER, Ehemalige Hofsilber- und Tafelkammer, Bd. 1 (Wien 1996).