Erzbischof Max Gandolph Graf Khuenburg als Jäger

In: alles jagd...eine kulturgeschichte. Kärntner Landesausstellung im Schloß Ferlach vom 26. April bis 26. Oktober 1997. Katalogbuch. Herausgegeben vom Land Kärnten. Kärntner Landesausstellung unter Leitung von Günther Hödl und Hartwig Pucker. Redigiert von Gabriele Guntsche-Liessmann und Daniela Schurian. – Klagenfurt: Kärntner Landesausstellungsbüro 1997. XVI, 700. 4°. Objekt-Nr.: R 17.11, S. 523.

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Leihgeber: Dommuseum zu Salzburg
Erzbischof Max Gandolph Graf Khuenburg als Jäger

© Oskar Anrather


C. P. List; Salzburg; um 1680
Öl auf Leinen; Höhe 202 cm, Breite 242, 5 cm


Leihgabe der Erzabtei St. Peter an das Dommuseum zu Salzburg

Der Salzburger Erzbischof und Landesfürst Max Gandolph Graf Kuenburg (regierte 1668-1687) hat sich am Waldrand (Hellbrunner Hügel) niedergelassen, um, sekundiert von einem jüngeren Verwandten, die gelegte Strecke (eine Gemse, einen Fuchs, zwei Hasen, mehrere Fasane und eine Schnepfe) zu betrachten. Er hat eben die Meerschaumpfeife abgesetzt und wendet sich dem Betrachter zu. Am Felsblock, der als Tisch dient, liegen eine kostbare Salzburger Jagdflinte, Jagdbesteck und ein Kalenderblatt, das als Tabakbeutel fungiert. Auf diesem veristisch geschilderten Detail kann man die Feste der Heiligen Wolfgang (30. Oktober) und Martin (11. November) erkennen, ein direkter Hinweis auf die Jagdzeit. Rechts im Bild ein Ausblick auf die Landschaft südlich der Stadt Salzburg mit dem beherrschenden Untersberg samt Geiereck. Das koloristisch fein abgestimmte Bild sucht die hochbarocke Bildniskunst eines Anthony van Dyck mit dem niederländischen Detailverismus eines Frans Snyders oder Jan Weenix zu vereinen. Über den Maler des Bildes namens C. P. List wissen wir derzeit noch wenig. Von ihm blieben noch zwei Seitenaltarbilder der ehemaligen Stiftskirche Mondsee, die mit 1679 und 1681 datiert sind, erhalten. Er dürfte nach dem Tod des Hofmalers Frans de Neve versucht haben, hier Fuß zu fassen, wurde aber von den Salzburgern Johann Michael Rottmayr und Christoph Lederwasch verdrängt. Merkwürdig ist das Schicksal des Bildes. Es gehörte vor 1800 weder zum Inventar der erzbischöflichen, noch der St. Peterschen Bildersammlung, sondern dürfte aus adeligem Besitz (Graf Kuenburg?) stammen und erst im 19. Jahrhundert nach St. Peter gekommen sein. Die Porträtähnlichkeit mit Max Gandolph, der sich sowohl von Heinrich Schönfeld wie auch durch seinen Hofmaler Frans de Neve portaitieren ließ, ist weitgehend gesichert. Das Bild erregte im Jahr 1938 nach dem "Anschluß" Österreichs das Interesse des als Kunstsammler bekannten Reichsfeldmarschalls Hermann Göring, der es sich von der Stadt Salzburg "schenken" ließ. Göring schickte das Bild zur Ausstattung seiner Jagdvilla Karinhall in die Schorfheide bei Lüneburg. 1945 verschwand es als Beutestück in die USA. Zwei Jahre später gelang es einem Salzburger Adeligen, das Bild zu erwerben und heimzuführen. Bis zu seinem Tod war es mit Zustimmung des Erzabtes von St. Peter in seinem Besitz (nach Nora von Watteck).


Adolf Hahnl


Zum Katalog: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch