Bogenstab und Köcher mit Pfeilen

In: alles jagd...eine kulturgeschichte. Kärntner Landesausstellung im Schloß Ferlach vom 26. April bis 26. Oktober 1997. Katalogbuch. Herausgegeben vom Land Kärnten. Kärntner Landesausstellung unter Leitung von Günther Hödl und Hartwig Pucker. Redigiert von Gabriele Guntsche-Liessmann und Daniela Schurian. – Klagenfurt: Kärntner Landesausstellungsbüro 1997. XVI, 700. 4°. Objekt-Nr.: R 8.4 + R 8.7, S. 482.

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Leihgeber: Universität Innsbruck (Tirol) Institut für Ur- und Frühgeschichte
Bogenstab und Köcher mit Pfeilen

© Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz


Hauslabjoch, Gem. Schnals, Südtirol; 33./31. Jahrhundert vor Chr.
Bogenstab:
Eibenholz, Replik. Länge 182 cm, größter Durchmesser 3,1 auf 3,6 cm.
Köcher:
Gemsenleder, Haselnußholz; Pfeile: Schneeball- und Hartriegelholz, Silex, Birkenteer, Tiersehne, Nesselfasern, Federn, Repliken; Köcher: Länge 92,2 cm, Breite ca. 11,5 cm (oben). "Schußbereite" Pfeile: Länge 85 und 90,5 cm; Rohschäfte: Länge 84,5 bis 87,8 cm.

Der Bogenstab des Mannes vom Hauslabjoch wurde aus dem Spaltholz eines Eibenstamms von etwa 20 cm Durchmesser geschnitzt. Die externe Engringigkeit des Holzes, es verteilen sich etwa 50 Jahrringe auf eine Strecke von 3,6 cm, bietet beste Biegungseigenschaften bei höchster Spannkraft. Der Bogenstab befindet sich in unfertigem Zustand. Seine Oberfläche ist mit Schnitzfacetten übersät. Weder ist die Verstärkte Bogenmitte, die der Schütze mit der Hand umgreift, herausgearbeitet, noch wurden die Spannarme abgeflacht. Auch fehlen die Vorrichtungen zum Befestigen oder Einhängen der Bogensehen an den Enden. Mit wenigen Arbeitsgängen hätte der Bogenstab zu einer voll Funktionstüchtigen Waffe werden können. Doch war seine Vollendung dem Mann im Eis nicht mehr beschieden.
Der Köcher besteht aus einem einteilig verarbeiteten Gemsenleder. An einer Längsseite wurde zur Versteifung eine zwanzigfach gelochte Haselrute angeknüpft. Als Verschluß diente eine mit einfacher Lochstickerei verzierte Flügelklappe. Der Trageriemen ist in antiker Zeit abgerissen und fehlt. Auch die Versteifungsleiste ist bereits in alter Zeit in drei Stücke gebrochen, sonst aber vollständig. Offenbar beabsichtigte der Mann im Eis eine Reparatur, zu der es nicht mehr kam. Der Köcher enthielt u. a. zwei sogenannte "schußbereite" Pfeile, die aber auch bereits zu Lebzeiten des Gletschermannes mehrfach gebrochen, mithin nicht einsatztauglich waren. Des weiteren fanden sich im Köcher zwölf Rohpfeilschäfte.
Sie waren bereits entrindet und auf die vorgesehene Länge zurechtgeschnitten. An den dickeren, den wurzelnahen Enden der Schneeballtriebe befinden sich bereits die Schlitze zum Einsetzen der Pfeilspitzen.


Konrad Spindler


Zum Katalog: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte. Eine Pirsch


Literatur: Markus EGG, Konrad SPINDLER, Die Gletschermumie vom Ende der Steinzeit aus den Ötztaler Alpen. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 39 (1992), S. 37ff.
Konrad SPINDLER, Der Mann im Eis. Neue sensationelle Erkenntnisse über die Mumie aus den Ötztaler Alpen (= Goldmann/Abenteuer Wissenschaft 12596, München 1995), S. 112ff.