© Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal
Südwestdeutsch, 3. Viertel des 13. Jahrhunderts
Leinen, bedeckt mit Seidenstickerei in Zopf-, Platt- und Kettenstich, Brokatfäden in Anlegetechnik.
Halbmesser 150 cm
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Die jüngste der erhaltenen mittelalterlichen Textilien aus St. Blasien, ein Pluviale (Rauchmantel), ist wie die jüngere Kasel (siehe "Kasel") in der Mitte durch einen, hier mit einem palmettenartigen Fries belegten Stab in zwei gleich große Flächen geteilt. Jede dieser Flächen weist 23 Medaillons auf, von denen je 22 zahlreiche Szenen aus dem Leben des in der Schwarzwaldabtei hochverehrten heiligen Vincentius von Saragossa (von Rücken her gesehen links) und des heiligen Blasius, als dem Klosterpatron (rechts), enthalten; das Segment je eines Medaillons des auch hier nachträglich beschnittenen und mit einer Goldborte versehenen Gewandes zeigt lediglich ornamentalen Schmuck (Vogelgestalten, geflügelter Drache). Die Medaillons sind mit einem Schriftband umgeben, das in leoninischen Versen die betreffenden Szenen erläutert. Die Flächen zwischen den Darstellungen sind mit verschiedenen Ornamenten und Blättern gefüllt. Die kleine, wohl nicht zum Gebrauch dienende Kapuze zeigt den thronenden heiligen Blasius mit einem vor ihm knieenden Abt, vermutlich dem Auftraggeber dieses Pluviale (zeitlich Abt Arnold II., 1247-1276). Auf dem als Schließe dienenden Stoffriegel der Vorderseite sind das Haupt Christi sowie die Halbfiguren des heiligen Blasius und des heiligen Nikolaus zu erkennen.
Ähnlich der jüngeren Kasel (siehe "Kasel") handelt es sich auch hier um einen der umfangreichsten erhaltenen Zyklen der entsprechenden Heiligenviten. Bemerkenswert ist die Verwandtschaft einzelner Szenen der beiden Heiligenlegenden, die auch hier zum großen Teil wieder auf deutlich ältere Vorlagen zurückgehen dürften.
Johannes Gut
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