© Österreichisches Museum für Angewandte Kunst, Wien
Südwestdeutsch, Mitte des 13. Jahrhunderts
Leinen, bedeckt mit Seidenstickerei in Zopf- und Kettenstich, Brokatfäden in Anlegetechnik.
Halbmesser 155 cm
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Die gesamte Fläche ist zu beiden Seiten eines schmalen Stabes in zahlreiche, am Rand nachträglich beschnittene quadratische Felder und Zwickel eingeteilt, deren Darstellungen wohl auf ältere Vorlagen zurückgreifen. Der in der Mitte, auf dem Rücken des Priesters verlaufende schmale Stab enthält neun Medaillons mit (von oben) dem Lamm Gottes, den vier Evangelisten und den vier großen Propheten. Zu beiden Seiten des Stabes erscheinen je fünf Szenen aus dem Leben Christi. Die übrigen Felder, je vierzehn rechts und links der drei Mittelstreifen, enthalten einen der umfangreichsten erhaltenen mittelalterlichen Bilderzyklen aus dem Leben des heiligen Nikolaus, eines wichtigen Mitpatrons des Schwarzwaldklosters. Lediglich ein Feld (vom Rücken her gesehen unten links neben den drei Mittelstreifen) ist hierbei ausgespart; es zeigt einen knienden Abt, der dem heiligen Nikolaus die Kasel überreicht (möglicherweise Abt Arnold II., 1247-1276). Die einzelnen Felder werden seitlich von einer Bordüre getrennt; an deren Stelle ist über den Szenen in Majuskeln ein leoninischer Vers angebracht, der die jeweilige Darstellung erläutert.
In der Klosterüberlieferung von St. Blasien wird von einer Legende berichtet, wonach angeblich zur Zeit des Abtes Rusten (1108-1125) ein Klosterbruder auf dem Weg von St. Blasien nach Schluchsee in einer Höhle menschliche Gebeine fand, die er christlich beerdigen wollte; ein des Weges kommender fremder Geistlicher soll dabei die Totenmesse gelesen haben, sei dann aber unter Zurücklassung seines Meßgewandes plötzlich verschwunden. Schon bald identifizierte man jenen Unbekannten mit dem heiligen Nikolaus, dessen Gewand in Folgezeit in verschiedenen st. blasianischen Kirchen und Propsteien aufbewahrt wurde. Ob es sich dabei ungeachtet der Zeit des erstens Auftauchens allerdings, um die hier beschriebene Kasel handelt, scheint nicht geklärt.
Johannes Gut
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