Pontifikalornat ("Wiener Ornat")

Pontifikalornat ("Wiener Ornat")

In: Schatzhaus Kärntens. Landesausstellung St. Paul 1991. 900 Jahre Benediktinerstift. Teil 1: Katalog. Herausgegeben vom Ausstellungskuratorium. Redigiert von Hartwig Pucker. – Klagenfurt: Universitäts-Verlag Carinthia 1991. 525. 8°. Objekt-Nr.: 14.10, S. 267.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal (Kärnten)
Pontifikalornat (

© Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal


Sticker: Johann Gottlieb Heynitschek, Wien, um 1699-1739,
Schnürmacher: Johann Peter Guttenberger, Wien 1731; Wien, 2. Viertel des 18. Jahrhunderts
Seide, Silberstickerei mit Kartoneinlagen auf goldenem Grund (Goldfäden); Pluviale mit Silberschließen, Beschauzeichen Wien, Meistermarke verschlagen, Silbermetall-Pailetten; Abtspluviale mit neuem roten Futter; Pluviale des Presbyterassistenten und der beiden Ehrendiakone mit alten rosa Futter; das Abtspluviale hat ein anderes Muster als die anderen Pluviale und ist vollständig mit Silberauflagen versehen;

Der Pontifikalornat, in den Akten „Wiener Ornat“ genannt, war unter Abt Franz II. Schächtelin von St. Blasien (1727-1747) im Jahre 1731 angeschafft worden und besteht aus vier Pluvialen, einer Kasel, zwei Dalmatiken, zwei Stolen, drei Manipeln, einem Kelchvelum, einer Bursa, zwei Behängen für den Abtthron, einem Gremiale (Schoßtuch) und zwei Polstern. Wie aus einer Akte im Badischen Generallandesarchiv Karlsruhe hervorgeht, war das Ensemble des Ornates ursprünglich viel umfangreicher. Außer den im Stift St. Paul erhaltenen Stücken bildeten noch eine Mitra, ein Paar Handschuhe, Pontifikalstrümpfe, einige Tunicellen und ein Tabernakelmantel Teile des gesamten Ornates, für den Pater Marquard Herrgott - Historiker in St. Blasien und 1728-1748 Gesandter am Wiener Hof - Vorschläge für die Anfertigung lieferte, wie aus einem von ihm stammenden Briefkonzept mit Datum 4. Juli 1731 in der erwähnten Akte hervorgeht. Auch sind zwei der ursprünglich vier Verträge zwischen Auftraggeber und Wiener Künstler erhalten, wobei umfassend die Ausführung des Ornates und auch die genauen Zahlungsbestimmungen festgehalten sind. In der der Akte beigelegten Kostenaufstellung beläuft sich die Gesamtsumme auf 3.890 Gulden.
Außer den Namen des Stickers, Johann Gottlieb Heynitschek, und des Schnürmachermeisters, Johann Peter Guttenberger, sind keine weiteren Namen in den Verträgen erwähnt. Erstmals sind hier Künstler der Barockzeit in diesem Metier - dem Kunsthandwerk - namentlich genannt, weshalb der Akte besondere Bedeutung zukommt.
Während bei den wichtigen Stücken des Ornates Goldfäden zur Verarbeitung gebracht sind, über denen silberne Ornamente liegen, wurde bei anderen Stücken nur goldfarbene Seide für den Untergrund verwendet.
Der Pontifikalornat wurde im Jahre 1808 durch Abt Berthold Rottler von Wien aus von den badischen Behörden zurückgefordert. Die wichtigsten Stücke tragen die Wappen des Klosters St. Blasien (springender Hirsch in blauem Feld) und des Abtes Franz II. Schächtelin (schwarz-weiß geschachteter Schrägbalken in rotem Feld).


Waltraut Hauk


Literatur: Die Kunstdenkmäler des Benediktinerstiftes St. Paul im Lavanttal und seiner Filialkirchen. Mit Beiträgen von Franz Balke. Berab. von Karl Ginhart (= Österreichische Kunsttopographie 37, Wien 1969), S. 170, Nr. 11, Anm. 225, 226.
Johann Michael FRITZ, Pontifikal-Ornat In: Das tausendjährige St. Blasien. 200 jähriges Domjubiläum. Ausstellung im Kolleg St. Blasien, Abteiflügel, vom 2. Juli bis 2. Okt. 1983. Hrsg. Histor. Ausstellung Kloster St. Blasien 1983 e.V (Karlsruhe 1983), Bd. I: Katalog, Nr. 178, S. 221-224; Bd. II: Beiträge, S. 251, Abb. 78, (mit Nennung der Quellen und weiterer Literatur).