Spanheimergrabmal

Spanheimergrabmal

In: Schatzhaus Kärntens. Landesausstellung St. Paul 1991. 900 Jahre Benediktinerstift. Teil 1: Katalog. Herausgegeben vom Ausstellungskuratorium. Redigiert von Hartwig Pucker. – Klagenfurt: Universitäts-Verlag Carinthia 1991. 525. 8°. Objekt-Nr.: 27.6, S. 507.

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Leihgeber: Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal (Kärnten), Nördliches Querhaus der Stiftskirche
Spanheimergrabmal

© Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal


Unbekannter Künstler, Ende des 14. Jahrhunderts (?) beziehungsweise 15. Jahrhunderts (?)
Hellgrauer Marmor, in drei Teilen aus späterer Zeit überliefert; Stirnwand: Höhe 97/Breite 105 cm, Reliefplatte: Höhe 97/ Breite 156 cm, Inschriftplatte: Höhe 105/Breite 50 cm

Das Stift St. Paul wurde von der Gründerfamilie als Familienkloster, zugleich auch zum Begräbnisort, gewählt. Die Eltern des Klostergründers Engelbert von Spanheim haben in St. Paul - erst in Zweitbestattung - ihre letzte Ruhestätte gefunden. Neben den älteren Spanheimern ruhen hier mehrere Kärntner Herzöge aus diesem Geschlecht: So ist es sehr wahrscheinlich, daß Herzog Heinrich IV., Herzog Hermann, wohl auch Herzog Ulrich II. und sein Bruder Herzog Bernhard hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Allerdings hat sich von keinem der Kärntner Herzöge aus dem Hause der Spanheimer im Lande selbst, auch nicht im Familienkloster St. Paul, ein Grabdenkmal erhalten. Eine direkt auf die Stifterfamilie bezugnehmende Grablege existiert in der Stiftskirche heute nicht oder zumindest nicht mehr. Erhalten haben sich lediglich zwei Architekturteile eines ehemals tumbaartigen Grabmals und eine Inschriftplatte mit einer "Stifterinschrift". Dabei handelt es sich um drei Einzelfragmente, die zeitlich nicht übereinstimmen. Jede der drei überlieferten Relief- bzw. Inschriftplatten erfordert einen anderen Datierungsansatz. Die älteste Platte von dem ursprünglich als Tumba gestalteten Stiftergrabdenkmal ist die annähernd quadratische Stirnplatte und zeigt nebeneinandergestellt die Reliefwappen des Herzogtums Kärnten und der Spanheimer. Beide Wappendarstellungen sind in einer für das 14. Jahrhundert charakteristischen heraldischen Bildung gemeißelt. Die zweite Reliefplatte ist nicht zur Gänze erhalten. Sie ist im rechten Bildfeld gebrochen, wobei ein Teil der dargestellten Klosterkirche verlorengegangen ist. Der linksschreitende gerüstete Stifter Engelbert von Spanheim wie auch die links der Kirche stehende Stifterin Hedwig, seine Gemahlin, sind jeweils in von Blendmaßwerk überhöhte Nischen gestellt. Auch das Wappen links der Stifterin bekrönt eine spätgotisch anmutende Blendwerkarchitektur, die allerdings nur mehr teilweise erhalten ist, das rechte Drittel dieses Bildfeldes wurde durch Abmeißelung zerstört. Interessant ist in diesem Zusammenhang wiederum die Wappendarstellung. Es spricht vieles für eine Datierung dieser Reliefplatte in die Zeit des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Besonderes Augenmerk verdient die heute erhaltene "Stifterinschrift", die sich durch auffallende Eigentümlichkeiten, hinsichtlich der Formel der Inschrift wie auch der Schriftform selbst, zeitlich eingrenzen läßt. Die Inschrift nimmt zwar auf die Stiftung Bezug, aber nicht als eine Originalinschrift aus der Zeit der Klostergründung, sondern vielmehr als eine Art Gedenkinschrift an dieses Ereignis aus wesentlich späterer Zeit. Auf der kleinen, rechteckigen Platte, die in ihren Maßen den besprochenen Architekturteilen überhaupt nicht entspricht, ist durch zwei in einfacher Meißelung angedeutete Zierlinien das Schriftband markiert. Die Inschrift zeigt zumindest zwei Hände, und auch die Darstellung des Scheibenkreuzes im Bildfeld deutet auf eine spätere Nachbildung hin. Die Namensinschrift der Stifterin "haedweig" wurde innerhalb der Schriftleiste beigefügt, wobei sich die Minuskelbuchstaben auffallend von der umlaufenden Beschriftung unterscheiden und hier sogar eine dritte Hand vermuten lassen. Einer kopialen Überlieferung aus der Feder des Abtes Hieronymus Marchstaller aus dem Jahre 1619 entnehmen wir, daß diese Stifterinschrift ursprünglich offensichtlich in Majuskelbuchstaben gemeißelt war. Die überlieferte Inschrift lautet: "+ Engelber / tus.fu(n)dator.Reeyhart.mater. mechilt / haedweig / uxor.h(ei)nr(icus) / dux kari(n)thie. (et) corpora filior(um) eor(um) / .xix."
Abt Jöbstl von Jöbstlberg (1488-1498) hatte um 1493 die Wand über dem Stiftergrabmal durch ein Wandgemälde des Thomas Artula von Villach ausschmücken lassen, wobei in diesem Zusammenhang auch eine Graböffnung vorgenommen wurde. Möglicherweise wurde dabei die ursprüngliche Inschriftplatte zerstört und durch eine Nachbildung ersetzt. Eine weitere Veränderung geht dann auf Abt Hieronymus Marchstaller (1616-1638) zurück, als er für die 1619 neu errichtete Sakristei einen prächtigen Portaleinbau in Auftrag gab. Dabei wurde nicht nur das "Stifterfresko" des Thomas von Villach, sondern wohl auch die Grablege der Spanheimer in Mitleidenschaft gezogen, insbesondere da er ebenfalls eine Graböffnung vornehmen ließ. Damit ergeben sich mehrere zeitliche Ansätze für eine Umgestaltung des "Stiftergrabdenkmales" der Spanheimer: Die Stirnwand ist einem "Grabdenkmal" der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zuzuordnen, die Reliefplatte ist durch Spuren von Übermeißelung vor allem im Bereich der Wappendarstellung arg beeinträchtigt, zeigt aber ausgeprägte gotische Architektur und typisches Blendmaßwerk, die eine Datierung in das 15. Jahrhundert rechtfertigen. Die Inschriftplatte selbst zeigt sowohl im Schriftbild wie auch in der Nachbildung des Scheibenkreuzes Ansätze, die auf eine gezielte Neufertigung unter Abt Jöbstl denken lassen. Der auffallende Unterschied zwischen der von Abt Marchstaller kopial überlieferten Inschrift in "maiusculis literis" und der erhaltenen "Inschriftplatte" bestätigt die Annahme, daß die originale Platte zerstört und durch eine frühneuzeitliche Nachbildung ersetzt wurde.


Friedrich W. Leitner


Literatur: Die Kunstdenkmäler des Benediktinerstiftes St. Paul im Lavanttal und seiner Filialkirchen. Mit Beiträgen von Franz Balke. Berab. von Karl Ginhart (= Österreichische Kunsttopographie 37, Wien 1969), S. 155ff., Abb. 207-208.