Porträt Gerhart Ellerts

Porträt Gerhart Ellerts

In: Schatzhaus Kärntens. Landesausstellung St. Paul 1991. 900 Jahre Benediktinerstift. Teil 1: Katalog. Herausgegeben vom Ausstellungskuratorium. Redigiert von Hartwig Pucker. – Klagenfurt: Universitäts-Verlag Carinthia 1991. 525. 8°. Objekt-Nr.: 25.49, S. 466.

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Leihgeber: Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal (Kärnten)
Porträt Gerhart Ellerts

© Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal


Pseudonym für Gertrud Gabriela Schmirger (1900-1975), signiert: Lotte Ringel
Öl auf Holz, oval, max. Höhe 58,5/max. Breite 44,5 cm

Am 26. Jänner 1900 kam GERTRUD SCHMIRGER in der Lavanttaler Bezirkshauptstadt Wolfsberg zur Welt. Sie war das einzige Kind des Ehepaares Camillo und Gabrielle Schmirger. Der Vater übte den Beruf eines Primararztes am Wolfsberger Krankenhaus aus.
Bereits mit vier Jahren entdeckte Gertrud Schmirger die Neigung, sich Geschichten auszudenken, die sie dann einige Jahre später auch selbst niederschrieb. Sie besuchte keine öffentliche Volksschule, sondern erwarb sich das Wissen zu Hause. Später nahm sie Privatstunden im Benediktinerstift St. Paul. Der Unterricht im Konvikt prägte das junge Mädchen nachhaltig, dem die strengen Regeln des Katechismus jedoch nie sehr wichtig waren. Sie schuf sich vielmehr eine stark auf die eigene Persönlichkeit bezogene Religionsauffassung. Auch nach Beendigung der Schulzeit blieb sie mit dem Konvikt St. Paul in Verbindung; so spielte sie im Mai 1921 bei den Aufführungen des Stückes „Die Könige“ mit. Nach der mit Auszeichnung bestandenen Matura betrieb sie Hochschulstudien in Wien und Graz, die in erster Linie der Erweiterung ihrer Allgemeinbildung dienen sollten.
Als im Jahre 1922 der Vater starb, baute die Schriftstellerin gemeinsam mit ihrer Mutter ein Obstgut und eine Baumschule auf. Ab diesem Zeitpunkt war es den beiden Frauen möglich, während der arbeitsfreien Wintermonate ausgedehnte Reisen zu unternehmen. Für die Schriftstellerin bedeutete das Kennenlernen fremder Länder mehr als eine angenehme Freizeitgestaltung. Dazu erklärte sie im Jahre 1970 dem Österreichischen Rundfunk in einem Interview: "Das Reisen ist mir kein Opfer, ich reise gerne, aber ich tue es eigentlich nur des Quellen- und Milieustudiums wegen."
Den geglückten Aktivitäten als Unternehmerin folgte ab Mitte der 30er Jahre eine überaus erfolgreiche literarische Tätigkeit. Im Jahre 1933 bot sie ihren historischen Roman "Der Zauberer" dem SpeideI-Verlag an, der das Werk annahm, jedoch den Wunsch nach einem männlichen Pseudonym äußerte. Die Autorin wählte den Namen GERHART ELLERT. Dieser entstand durch die Zusammensetzung der Namen von zwei Menschen, die ihr besonders nahestanden - durch den ihrer Mutter Gabrielle und den des St. Pauler Paters Engelbert Olbert.
In der Folge erschienen in regelmäßigen Abständen siebzehn Romane Gertrud Schmirgers, in denen sie historische Persönlichkeiten in den Mittelpunkt stellte. Es sind dies unmittelbar mit der Politik in Verbindung stehenden Personen mit gleichlautenden Romantiteln, wie ATTILA (1934), KARL V. (1935), WALLENSTEIN (1937), RICHELIEU (1948) und der Doge Enrico DANDOLO im Werk "Der blinde Löwe von San Marco" (1966) u.a.m.; weiters Religionsverfechter von GERBERT von AURILLAC im Roman "Der Zauberer", MOHAMMED (1938), PAULUS (1951), COLUMBAN (1968) bis hin zu CHARLES FOUCAULD (1974); aber auch der Künstler MICHELANGELO (1942). Die zentrale Figur des Romanes JACOBE ODERKAMP (1958) ist zwar keine historische Persönlichkeit, doch spielt die Handlung in der Hansezeit.
Anfang der 60er Jahre erklärte sich Gertrud Schmirger dem Österreichischen Bundesverlag gegenüber bereit, Sachbücher und Geschichten für die Jugend zu schreiben. Für dieses Schaffen wurde Gertrud Schmirger u.a. 1959 mit dem Österreichischen Staatspreis für Jugendliteratur ausgezeichnet. Hinzu kamen noch zahlreiche weitere Literaturpreise und Anerkennungen. Die Verleihung des Ehrenringes der Heimatstadt Wolfsberg (1960) und die Auszeichnung mit dem Professorentitel (1966) gehörten auch für sie persönlich zu den größten Ehrungen ihres schriftstellerischen Wirkens. Am 7. Mai 1975 starb Gertrud Schmirger. Ihr literarischer Nachlaß befindet sich im Benediktinerstift St. Paul; dies erklärt sich aus einer fast lebenslangen Verbundenheit mit dem Kloster und seinen Patres. Im Testament begründet die Schriftstellerin: "Mit Rücksicht darauf, daß ich den Patres des Stiftes St. Paul den wesentlichen Teil meiner Kenntnisse verdanke und damit die Voraussetzungen zu meinem späteren Beruf als Schriftstellerin geschaffen wurden - und wie ich als Student und Gast des Stiftes die anregendsten und glücklichsten Stunden erlebt habe, bestimme ich, daß an das Stift St. Paul übergehen sollen ..."
Mit dem Aufbau eines Ellert-Archivs und der Schaffung von musealen Räumlichkeiten, die am 8. November 1985 eröffnet wurden, versucht man im Stift St. Paul dem Gedenken an die große Schriftstellerin den entsprechenden Rahmen zu geben.


Hartwig Pucker


Literatur: Birgit URBAS, Leben und Werk Gertrud Schmirgers (Pseud. Gerhart Ellert) im Spiegel ihrer historischen Romane (Diss. Graz 1980).