Fürstabt Berthold III. Rottler von St. Blasien und Abt von St. Paul (1801-1806/07, gestorben 1826 in St. Paul)

Fürstabt Berthold III. Rottler von St. Blasien und Abt von St. Paul (1801-1806/07, gestorben 1826 in St. Paul)

In: Schatzhaus Kärntens. Landesausstellung St. Paul 1991. 900 Jahre Benediktinerstift. Teil 1: Katalog. Herausgegeben vom Ausstellungskuratorium. Redigiert von Hartwig Pucker. – Klagenfurt: Universitäts-Verlag Carinthia 1991. 525. 8°. Objekt-Nr.: 19.9, S. 324.

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Leihgeber: Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal (Kärnten)
Fürstabt Berthold III. Rottler von St. Blasien und Abt von St. Paul (1801-1806/07, gestorben 1826 in St. Paul)

© Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal


Anton Weissenfeld (gestorben 1832 Graz); auf Rückseite bezeichnet: A. Weissenfeld fecit 1823
Öl auf Leinwand; Oval: Höhe 107/Breite 93 cm

Der Grazer Bildnis- und Miniaturenmaler Anton Weissenfeld hat hier den jeweils 48. Abt von St. Blasien und St. Paul, den letzten Fürstabt des Schwarzwaldklosters und dritten Gründer des Stiftes im Lavanttal drei Jahre vor seinem Tod (1826 in St. Paul) porträtiert.
Es überrascht nicht, daß eine ausführliche Vita dieses großen Prälaten noch nicht existiert. Zu sehr ist man versucht, ihn im Schatten seines übermächtigen Vor-Vorgängers Martin II. Gerbert (1764-1793) und als Verlierer des - von ihm nicht verschuldeten - Kampfes um den Bestand des Klosters St. Blasien während der Säkularisation zu sehen. Dabei übersieht man zuweilen, daß er es, an der Nahtstelle zweier Epochen stehend, mit der Hartnäckigkeit des Schwarzwälder Menschenschlages unter unsäglichen Schwierigkeiten und gegen erdrückende Widerstände vermocht hat, einen Großteil seines Konventes aus dem Schwarzwald nach Kärnten zu führen und dort das alte Stift St. Paul wieder zu neuem Leben zu erwecken.
Am 16. Oktober 1748 in dem, damals dem Johanniterorden gehörenden, Obereschach bei Villingen / Schwarzwald geboren, wurde er nach seinen Studien Professor für Theologie in St. Blasien. 1784 wurde er in Salzburg zum Doktor der Philosophie promoviert. Es folgten an der Universität Freiburg / Breisgau die Stelle eines Professors für Diplomatik, Numismatik und Archäologie, in St. Blasien das Amt des Archivars und in der st. blasianischen Propstei Klingnau / Aargau die Funktion des Propstes. Seine Wahl zum Abt fiel bereits in die Zeit des beginnenden Unterganges im Schwarzwald. Nachdem er nach der endgültigen Aufhebung seiner Abtei erkannt hatte, daß ein Verbleiben des Konvents an der alten Stätte nicht mehr möglich war, führte er konsequent die Übersiedelung der auswanderungsbereiten Mönche durch. Die letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens waren ausgefüllt mit dem oft aussichtslos erscheinenden Kampf gegen äußere und später auch innere Schwierigkeiten beim Neubeginn im Lavanttal. An seinem 79. Geburtstag, dem 16. Oktober 1826, starb dieser große Mann des Überganges und wurde auf dem alten Friedhof in St. Paul beigesetzt, wo sein Grabmal inmitten der Ruhestätte seiner ehemaligen St. Blasier Mitbrüder und deren Nachfolger heute noch an ihn erinnert. Zu seinem Nachfolger wurde nochmals einer der St. Blasier Einwanderer, Meinard Amann aus Hofkirch / Württemberg (1826-1839), gewählt. Erst dessen Nachfolger, Ferdinand Steinringer (1840-1866), stammte aus Klagenfurt.


Johannes Gut


Literatur: Bernd ROMIN, Erinnerungen an Berthold Rottler. In: Konradsblatt 60 (1976), Nr. 48, S. 26.