ide 2/2015: Kulturen des Erinnerns

ide 2/2015: Kulturen des Erinnerns HerausgeberInnen: Hajnalka Nagy & Jörg Meier

Erinnerungen sind eine "Form der Wirklichkeitskonstruktion und aktiven Welterzeugung" (Erll 2011, S. 137), die sowohl für Individuen als auch für ganze Gesellschaften identitäts- und sinnstiftende Funktionen haben. Begriffe wie kollektive und kulturelles Gedächtnis haben nicht nur in den Kultur- und Geisteswissenschaften, sondern auch in öffentlichen Diskursen eine Hochkonjunktur. In Pädagogik und Didaktik gilt die Erinnerungsarbeit spätestens seit Adornos Essay "Erziehung nach Auschwitz" (1966) als Bildungsimperativ, der zur Folge hat, dass in den deutschsprachigen Ländern das Thema "Vergangenheitsbewältigung" mitsamt ihren ethisch-moralischen Implikationen besonders hervorgehoben wird.

Dieser thematische Fokus lässt jedoch nicht nur die Komplexität des Erinnerns auf individueller und gesellschaftlicher Ebene außer Acht, sondern auch die Tatsache, dass Erinnern heute unter veränderten Bedingungen vonstattengeht.

Mit dem Heft möchten wir Impulse für eine neue Kultur des Erinnernse im Deutschunterricht geben, die literatur-, medien-, sprach- und schreibdidaktische Zugänge zum Themenkomplex "Erinnern und Schule" im Kontext neuerer Tendenzen der Erinnerungsforschung und im Lichte des sozialen, kulturellen und medialen Wandels diskutiert. In diesem Sinne werden wichtige Phänomene des Erinnerns sowie alte und neuere Konzepte des kulturellen und kollektiven Gedächtnisses gesichtet und auf ihre Bedeutung für den Deutschunterricht hin befragt. Dabei werden neben tradierten historischen Schlüsselerinnerungen (z.B. an den Holocaust), aber auch individuelle Erinnerungen der SchülerInnen berücksichtigt. Nicht zuletzt zeigen theoretische und praktische Beiträge neue Möglichkeiten im Umgang mit individuellen und kollektiven Erinnerungen und ihren Medien auf, die die Grundlage einer reflexiven Erinnerungskultur bilden können.

Literatur:
Erll, Astrid (2011): Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen. 2. Auflage. Stuttgart, Weimar: Metzler.

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