© Franz Glaser
Holz, Maßstab 1:125
Nach Grabungsergebnissen in Gallien wurde der Umgangstempel rekonstruiert. Die an zwei Seiten umlaufenden Hallen wurden aufgrund des Hinweises von Rudolf EGGER in Analogie zu den Hallen des Tempelbezirkes in Kempten/Cambodunum ergänzt. Entwurf: Franz GLASER, Ausführung: H. MACK
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Die interessanteste Anlage der römischen Antike im unteren Lavanttal ist auf dem nahen Burgstall bei St. Margarethen (Gemeinde Lavamünd) 1925-1927 durch Rudolf EGGER aufgedeckt worden. Es handelt sich um den gallo-römischen Umgangsstempel für die norisch-keltische Gottheit "Latobius-Mars", den bis damals im Ostalpenraum erstmals festgestellten Tempel dieser Bauform. Das Heiligtum erhob sich auf dem Plateau des Burgstall-Hügels und besaß annähernd quadratischen Grundriß, gegliedert in eine exakt 9,80 m messende "Cella", allseits umgeben von einer 17,10 bzw. 16 m langen und verschieden breiten, an der Ostseite jedoch bis zu 4,10 m abstehenden "Porticus" sowie von einem die Gesamtanlage umschließenden, von Mauern begrenzten Hof. Dieser ist offenbar als letzter Bauvorgang zu sehen, da seine Westmauer an die Mauer der westlichen Tempelporticus ansetzt; aus Geländerücksichten stand das Heiligtum nicht in der Mitte des genannten Hofes, sondern gegen dessen Südwestecke hin gerückt. Aus den Mauerstärken wie der Mauertechnik war zu schließen, daß das Aufgehende der quadratischen "Cella" gemauert gestaltet und wohl mit einem vierteiligen Zeltdach gedeckt gewesen war, während die "Porticus" an allen vier Seiten nahezu nur aus Trockenmauerfundamenten für die darauf aufgesetzten hölzernen Stützpfosten für die Pultdächer bestand. Von Osten her, durch den entsprechenden Umgang, führte der Zugang in die "Cella", das eigentliche Heiligtum des Tempels. In ihrem Inneren fanden sich im Brandschutt Wandverputz, Dachziegelreste und zahlreiche Holznägel, Hinweise auf die Ausgestaltung und die Eindeckung des Baues. Die Identifizierung der Anlage als Tempel für den keltischen Kriegs- und Stammesgott "Latobius-Mars" gelang durch Inschrift und Skulpturenfunde in je einer umfangreichen Grube im Boden der "Cella" bzw. des Hofes davor. Darin lagen, offenbar absichtlich zerschlagen, u. a. wesentliche Teile des Kultinventars, Fragmente zweier Kultstatuen sowie drei Inschriften, ein Befund, den der Ausgräber den Zerstörern des Heiligtumes zu Ende des vierten Jahrhunderts ursächlich zuweist. Eine dieser Inschriften erweist sich als Bauinschrift für die Wiederherstellung des Tempels; nach dem Schriftcharakter im späten zweiten Jahrhundert nach Chr., womit ein älterer Vorgängerbau, der während der Grabung auch festgestellt wurde, durch diese Bauurkunde zusätzlich nachgewiesen erscheint.
Die Bezeichnung des Tempels als ("aedis") "navalis" = Schiffsheiligtum, ein inzwischen zweimal in Kärnten, jedoch bisher sonst nirgendwo für einheimische Heiligtümer verwendeten Ausdruck, stellt eine Besonderheit dar und bezog sich vermutlich auf ein innerhalb des Tempels aufgestelltes, besonders merkwürdiges Schiffsidol der Gottheit, so daß - pars pro toto - dessen Benennung auf den gesamten Bau übertragen wurde. Daß Wasser im Kult eine Rolle spielte, zeigt, abgesehen von der Bedeutung desselben innerhalb der keltischen Religion im allgemeinen, der Fund eines massiven Wasserbeckens in einer der erwähnten Gruben. Dazu muß angemerkt werden, daß zum Antransport des bei den Kulthandlungen benötigten Wassers am Westrand des Plateaus eine gemauerte "Kultstiege" errichtet war, die zum Lavantufer hinab an ein Schöpfbecken führte; sie wurde wenige Jahre nach den Grabungen auf dem Burgstall entdeckt und freigelegt. Außer der erwähnten Bauinschrift unterstützen die Zuweisung des Tempels an diese Gottheit noch ein früher ausgegrabenes Altarfragment - "Latobius Augustus" geweiht - sowie ein erst jüngst auf dem Burgstall gefundener Altar, der als derselben Gottheit geweiht gilt, auch wenn sie hier mit einem sonst nur aus einer Inschrift aus Flavia Solva (Steiermark) bekannten Beinamen, "Maromogius" (etwa "Großmächtiger"), bezeichnet ist. Camillo PRASCHNIKER hat daher schon seinerzeit versucht, einzelne, aus den Gruben geborgene Statuenfragmente, unter Verwendung der bronzenen Jünglingstatue vom Magdalensberg als Vorbild, zur Kultstatue des "Latobius-Mars" zu rekonstruieren. Das Heiligtum war jedoch nicht ihm allein vorbehalten gewesen: Zwei weitere Inschriften, eine Platte und ein Altar, enthielten Weihungen an "Jupiter optimus maximus", den obersten Gott des Reiches; in beiden Fällen sind die Stifter Freigelassene, die für das Wohl- ergehen ihrer ehemaligen Herrschaft Gelübde einlösen. Darüber hinaus fanden sich innerhalb des Skulpturenmaterials auch ein mächtiger männlicher, nackter Torso, ein stark bestoßener Lockenkopf sowie einzelne Bruchstücke eines Zepters, die PRASCHNIKER alle einer ehemals lebensgroßen Jupiterstatue zuordnete, womit doppelt nachgewiesen werden konnte, daß im Tempel auch Jupiter Verehrung erfahren hatte. Nach der Ausgrabung wurde das Gelände wieder eingeebnet, die "Kultstiege" zur Lavant jedoch ist konserviert erhalten geblieben.
Gernot Piccottini
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